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Alexander und sein Monaco
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Cafés:
Shopping:
Alexander Wurz lehnt lässig am Geländer seiner Terrasse. Seine Frau Julia macht Kaffee, italienischen Espresso. Darauf wird im Hause Wurz Wert gelegt. Der ehemalige Mountainbike-Weltmeister und heutige Formel-1-Pilot aus Waidhofen an der Thaya ist nun fast schon Monegasse. Viermal ist Wurz in zehn Jahren umgezogen in der mondänen Stadt an der Côte d’Azur. Auf dem Felsen von Monte Carlo hat er schon gewohnt, gleich beim Fürstenpalast, und in einer Villa, leider einem Spekulationsobjekt. „Ich hab kein Glück gehabt, meine Wohnungen sind immer als Investment verkauft worden. Aber jetzt brauchen wir ohnehin mehr Platz, weil die Familie größer geworden ist.“ Gesucht: ein Altbau mit hohen Zimmern. Klingt einfacher, als es ist, denn Altbauten sind selten und nur Alteingesessene dürfen sie bewohnen.
Auf Kaffee legt Wurz großen Wert. Vor allem auf italienischen, sagt er auf der Terrasse. Sein Lieblingscafé ist daher das Casa del Café in der Avenue de la Costa. „Der ist der Einzige in Monaco, der wirklich italienischen Kaffee serviert. In das Casa del Café gehe ich auch oft zum Frühstücken auf ein frisches, warmes Croissant und einen Cappuccino.“ Mittagsgerichte gibt’s nur zwei, im Lokal findet man ausschließlich Einheimische.
Die Menschen in Monaco sind freundlich. Vor allem, wenn man Französisch spricht. Und vor allem im Winter, der Lieblingssaison von Alexander Wurz. „Dann ist es ganz ruhig hier, Monaco ist eine verschlafene Ortschaft, überall findet man einen Platz.“ Manchmal ist es im Dezember so mild, dass er im T-Shirt laufen geht oder im Restaurant auf der Terrasse sitzt, im Pullover. Der Sommer beginnt pünktlich mit Osterferien und Tennisturnier. Das heißt Autos, Stau und Hektik. Höhepunkt ist immer der Grand Prix, heuer am 25. Mai. Alexander Wurz schüttelt den Kopf: „Zu dieser Zeit ist es furchtbar, da brauchst nirgendwo mehr hinfahren mit dem Auto, nur zu Fuß. Auch die Leute sind unfreundlicher, weil sie zu viel Stress haben.“ Die meisten Monegassen meiden den Grand Prix, vermieten ihre Wohnungen um sehr viel Geld.
Wer jedoch zum Rennen nach Monaco kommt und keine sündteuren Tribünenkarten hat, für den hat Alexander Wurz einen Tipp für einen Platz mit Aussicht: „Auf dem Felsen. Den haben sie aus Tradition belassen – aber auch dort ist der Blick nicht mehr so schön. Einfach die Avenue de la Porte Neuve hinaufgehen, dann sieht man eh schon, wo die Leute auf dem Hang sitzen.“ Oder mit viel Selbstvertrauen durchschmuggeln. Frechheit siegt. Aber nicht überall. „Mit den Polizisten sollte man besser nicht scherzen, als Tourist wie als Einheimischer, die sind sehr streng, da gibt’s kein Pardon.“ Auch in Monaco ist nicht alles Gold, was glänzt. „Hier wohnen auch viele Leute, die jeden Cent zählen müssen, hier ist eben nicht nur Highlife-Schickimicki. Das gibt’s echt nur während des Grand Prix.“
Apropos Schickimicki: Die andauernden Feuerwerke, Modenschauen und Messen für die High Society sind so aufwändig, dass die 7000 Monegassen und 25.000 gemeldeten Ausländer auf die Hilfe von 30.000 Berufspendlern angewiesen sind, die täglich von Frankreich ins Fürstentum strömen. Ein schwimmender Riesenpier von der Größe eines Flugzeugträgers kann seit 2004 bis zu 300 Kreuzfahrtriesen jährlich aufnehmen. Und um den Ansturm von fünf Millionen Besuchern im Jahr zu bewältigen, wird die Landgewinnung mit Aufschüttungen und künstlichen Inseln vorangetrieben. So hat Monaco etwas verwirklicht, wovon andere europäische Länder nur träumen können: einen profitablen Wohlfahrtsstaat mit Rundumversorgung, ein wirtschaftsliberales System auf der Basis absoluter Führungsgewalt, zusammengehalten von der Corporate Identity der adligen Familien-AG, einer Art von Grimaldi Inc.
Dieser Meinung ist auch Alain Ducasse. Der Meisterkoch bereitet gerade eine ausladende Feier zum 81. Geburtstag von Küchenlegende Paul Bocuse vor – natürlich in seinen Restaurant „Le Louis XV“ am Place du Casino in Monaco: „Die Grimaldis waren nicht immer so nett. Vor 700 Jahren hatte die Erbdynastie ihr Vermögen mit Schutzgeldern begründet, die sie von Handelsschiffen auf dem Mittelmeer erpresste“, erzählt er. „Die wirkliche Blüte Monacos hat erst begonnen, als die Fremden ihr Geld freiwillig ablieferten“, meint er. „Gott sei Dank auch bei mir“, scherzt er, um nochmals staatstragend zu werden: „Den Aufstieg Monacos als Stadtstaat und Familienkonzern verdankt es meinem verstorbenen Freund, Fürsten Rainier III.“
„Der Fürst wurde oft als Zirkusdirektor beschrieben“, erinnert sich Ducasse, „der seinen Kleinstaat wie einen Vergnügungspark leitete und ihn eine Zeit lang sogar komplett überdachen wollte“. Dabei wird Ducasse nie vergessen, dass er ein brillanter Manager war. „Er begnügte sich nicht damit, mit Grace Kelly alias Gracia Patricia eine glamouröse, skandalfreie Ehe zu führen, sondern holte unermüdlich Autorennen, Rosenbälle, Sportfeste, Kreuzfahrtluxus und regen Kongressbetrieb ins Land. So entstand der Nährboden, auf dem sich die Vermögenden mit ihren Firmen und Verwaltern gern ansiedeln“, sagt Ducasse. Danach muss er sich wirklich anderen Dingen widmen. Paul Bocuse erwartet schließlich ein fürstliches Essen.
Auf dem Mittelmeer glitzert die Morgensonne, wenn in der Frühe die wenigen Fischerboote die Bucht in Fontvieille verlassen. Das neueste Viertel Monacos wurde ins Meer gebaut, weil auf dem Land einfach der Platz fehlt. Der steile Felsen, auf dem das Palais du Prince steht, grenzt den kleinen Hafen mit den vielen Yachten ab und zeigt das alte Monaco, Monaco Ville, mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Über Treppenstufen gelangt der Besucher auf die Terrassen von Fontvieille. Wer keinen Abstecher zum nahe gelegenen Automobilmuseum plant, kann direkt weiter hinabsteigen nach La Condamine. Täglich ist Markt im Hafenviertel, das südfranzösisches Kleinstadtflair ausstrahlt. In den Cafés der kleinen Gassen sitzen großteils Einheimische, die den Noisette – eine Art Espresso – genießen. In La Condamine herrscht vergleichsweise wenig Verkehr – Mofas und Luxusautos drängeln sich auf den großen Straßen, die um das Viertel herumführen. Trotz des Port de Monaco, in dem Yachtbesitzer miteinander konkurrieren, ist La Condamine ein vergleichsweise preiswertes Viertel. So finden Touristen rund um die Rue Grimaldi Hotels, in denen Zimmer für 55 bis 60 Euro pro Nacht zu haben sind. Wer dagegen das fürstliche Monaco erleben will, kehrt zurück zur Grenze zwischen Fontvieille und La Condamine. Dort geht es auf steilem Weg den Felsen hoch nach Monaco Ville. Oben angekommen, liegt links das Palais du Prince. Gegenüber eröffnet sich ein Blick auf das Meer, auf Monte Carlo und den Hafen von Monaco.
Es ist Zeit für ein Mittagessen – oben, in Monaco Ville, kann man durchaus günstig speisen. Hier gibt es Tagesgerichte ab zehn Euro. Gestärkt geht es anschließend in den Palast. Einige Repräsentationsräume, beispielsweise der Thronsaal, stehen Besuchern offen. Im Südflügel ist das „Musée Napoléon et des Archives du Palais“ untergebracht. Dort können unter anderem persönliche Gegenstände Napoleons angesehen werden. Im Anschluss geht es weiter am Rande des Felsens entlang zum „Musée Ozéanographique“. In dem Gebäude, das mit der Rückseite zur Küste steht, finden sich riesige Aquarien mit farbenfrohen Fischen und Haien. Der Weg zurück nach La Condamine fällt in der Mittagshitze weitaus leichter als bergauf. Unten fährt der Bus für 1,50 Euro direkt ins Herz von Monte Carlo: Durch Hitze, Abgase und vorbei an unzähligen Baustellen geht es in den Nobelstadtteil. Zu Fuß wäre die Strecke, wie oft in Monaco, kein netter Spaziergang gewesen. In Monte Carlo kosten die Suiten der großen Hotels bis zu 10.000 Euro pro Nacht. Viele andere Bauten wirken von außen, verdreckt durch die Abgase, wie Sozialwohnungen. Doch der Schein trügt: Sie zu finanzieren, wäre mit einem Durchschnittseinkommen unmöglich.
In jedem Fall lohnt sich in Monte Carlo ein Blick ins Grimaldi-Forum. Von Juli bis September gibt es im kulturellen und geschäftlichen Zentrum von Monaco meist große internationale Ausstellungen. Berühmt ist auch das Casino von Monte Carlo, schräg gegenüber dem „Hotel Paris“. Wer über den roten Teppich hineinschreitet, muss an der Kasse zunächst zehn Euro bezahlen. Dann führt der Weg durch eine kleine Bar direkt in den Hauptraum. Schon von weitem ist das Klackern der Chips zu hören. Ein Ort für den langen Urlaub ist Monaco nicht – die Besucher bleiben im Durchschnitt zweieinhalb Tage. Schließlich gibt es kaum Strand und somit kaum Möglichkeiten, im Meer schwimmen zu gehen oder im Sand zu liegen. Die Kurzzeitbesucher schätzen an Monaco allerdings die kulturelle Vielfalt – so etwas hat an der Côte d’Azur sonst nur Cannes zu bieten.
Zurück zu Wurz, auf seine Terrasse: Die Frage nach dem Nachtleben entlockt ihm nur ein Schulterzucken. Vom legendären Jimmy’z hält er nicht viel: „Mir gefällt es nicht, der DJ ist einfach schlecht. Wenn ich für ein Getränk 100 Euro zahl’ wund die Musik grausam ist, dann bleib ich lieber daheim.“ Besser sei schon das Karément: „Die haben gute Musik und es ist nicht so übertrieben teuer.“ Richtig nett sei nach wie vor das Rascasse: „Jetzt heißt es Grand Prix Café, aber alle sagen noch Rascasse, da kannst auch bis in die Früh bleiben.“ Fein und stylish sei es in der Sea Lounge des Beach Clubs am anderen Ende von Monaco: gute Drinks und kleine Imbisse. Schön findet Alexander Wurz auch die Bars der Hotels Columbus und Metropol. Nicht zu vergessen der Klassiker: „Man kann sich natürlich in den Casinos herumtreiben und ein bisschen spielen – das Lustige ist ja, dass es in Österreich Krawattenpflicht gibt, – im noblen Monaco nicht.“
Wen der Hunger plagt, kann aus über 300 Gaststätten wählen. „Meine Lieblingsrestaurants sind in Fontvieille das Saliere, ein superguter Italiener. Als Single war das mein zweites Wohnzimmer.“ Dort sei das Service allerdings so schnell, dass es besser sei, ganz langsam zu bestellen. „Ich gehe auch gern ins Terrazzino, auch ein Italiener, dort bekommst du zu essen, was sie dir hinstellen. Das ist ein ganz kleines Restaurant in der Rue des Iris in der Nähe des Casinos. „Sogar für Late-Night-Dinners ist gesorgt, wie etwa im Intempo, dem neuen Gourmetrestaurant im Le Meridien Beach Plaza.“ Dort werde rund um die Uhr Feines aus der mediterranen Küche serviert. Ohne Ruhetag, versteht sich. „Und sonst“, grinst Wurz, „gibt’s Pizza-Service und Sushi-Delivery.“ Tagsüber sollte man im Sommer auf den Lavotto-Beach gehen, „dort muss man hin. Dort gibt’s auch mehrere Lokale – der Strand ist the place to be.“ Baden und ein exzellentes Eisstanitzel von „Mullot“ seien hier allemal günstiger als ein Ausflug in die Boutiquen von Monaco. Denn für’s Shoppen brauche man hier viel Geld. Heimweh? Der Beute-Monegasse erstaunt: „Ich leb gerne hier mit meiner Familie. Wenn ich nach Österreich komm, freu ich mich über Topfenstrudel, Zwetschkenknödel oder das gute Brot, aber sonst fühl ich mich hier zu Haus.“