Tipps des Monats

BRUSSELicious 2012

Brüssel zum Anbeißen

Im Jahr 2012 ist Brüssel zum Anbeißen - im wahrsten Sinn des Wortes. Das diesjährige Fein-
schmeckerjahr verspricht kulinarische Freuden und eine spannende Aus-
einandersetzung mit der vielfältigen Küche der EU-Hauptstadt. Dazu gehören u.a. die Klassiker "Moules & frites", Waffeln und Weinbergschnecken, aber auch Neuinterpretationen innovativer Küchenchefs, die unglaubliche Kreativität der vielen Chocolatiers und nicht zuletzt das "savoir vivre" der Brüsseler.

Neue, außergewöhnliche und innovative Events bilden zusammen mit der lebendigen Gastronomie "Brusselicious" - das Jahr der Gastronomie.

Mehr Infos zu dieser Veranstaltung finden Sie auf www.flandern.at.

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Der richtige Verschluss

Es ist schon ein Kreuz mit den Weinverschlüssen! Wie bringt man Image, Produktsicherheit, rituelle Handlungen, Lagerfähigkeit etc. unter einen Hut? Wir wissen es auch nicht ganz genau, aber zur zusätzlichen Verwirrung können wir schon anständig beitragen!

„Megagemütlich“ wäre ein übertriebenes Attribut für die Bleibe von Herrn Schmid: ein Erdloch mit Moosdecke, Strohschlafsack, offener Feuerstelle, von Fackeln in rußiges Dämmerlicht getaucht. Gerade senkt er seine beiden allerletzten Karieszähne in ein rohes Stück Schweinsdarm, schickt aber zuvor dem Chef noch ein paar Rauchsignale. Jetzt noch schnell mit dem Holzeimer zum Dorfbrunnen – die Wasservorräte sind erschöpft. „Mensch, Junge!“, werden Sie, verehrte Leser/-innen, jetzt einwerfen! Im 21. Jahrhundert lebt – zumindest in zivilisierten Gegenden – kein Mensch derart anachronistisch. Ohne feste Wände, Wasserleitung, Mobiltelefon, Heizung, Auto, Elektrizität ... seinen Zahnarzt.

Genau da wollte ich Sie jetzt haben. Warum finden Sie es dann zeitgemäß, Wein mit einem Stück Baumrinde zu verschließen?

Ich weiß schon, was da nun an Argumenten auf mich zukommt. Weil es Teil der Trinkkultur ist, weil es sich so gehört, schon immer so war (ein Killerargument, das im Übrigen nicht stimmt), wegen des wundersamen Rituals des Korkenziehens ... Dem darf und soll jetzt ausnahmsweise keine Widerrede folgen. Recht haben Sie! Ich aber auch, wenn ich behaupte, dass es mir piepegal ist, was da im Flaschenhals steckt. Hauptsache das Produkt hat durch den Verschluss keinen Schaden genommen! Je nach Blickwinkel (seriöser Sommelier vs. Korkproduzent) werden die Schadensfälle mit 5 bis 25 % taxiert. Nach oben gibt’s keine Grenzen. Ich hatte in einem berühmten Arlberger Hotel das zweifelhafte Vergnügen, beim Entkorken der gesamten Vorräte eines Traminers (von einem ebenfalls berühmten Winzer) – in Zahlen: 9 Flaschen – zugegen zu sein. In Erwartung des sich nicht ereignenden fehlerfreien Probeschluckes. Wer, bitte schön, wird schon freiwillig Opfer solcher Katastrophen! Der Weinbauer, der Wirt, der Sommelier, der zahlende Gast?

Unbestritten zählt (gesunder) Kork zu den allerbesten aller Weinverschlüsse: gering im Gewicht, dicht, standfest gegenüber Säuren, undurchlässig ... Und dann hält das gute Stück auch noch ein Menschenleben lang (und länger) seine Form. Aber leider hat der Pfropfen halt so seine Macken und bringt sich unerwünscht in simple und alleredelste Rebensäfte ein. TCA steht für die unheilvolle chemische Substanz Trichloranisol, welche Riesling und Chianti ins Genussout kickt.

Problem erkannt? Analysiert? Die Lösung? Keine Ahnung! Robert Parker jun. sieht in naher Zukunft den allergrößten Teil der Weltproduktion ohne Korken im Flaschenhals. Zurzeit sind es allerdings noch 70 %, die mit Naturkork oder Varianten aus diesem Material verschlossen werden. Wagen wir trotzdem den Blick in die Kristallkugel.

Andere Flaschenmaterialien könnten wir da einmal andenken – aus Aluminium, Plastik, Holz, Pappe – zum Aufreißen, Aufstechen, Aufschneiden, Aussaugen. Wenn schon Glas, dann könnte man sich andere Flaschenmündungen (z. B. viel engere) vorstellen. Aber so kreativ muss es ja gar nicht zugehen – stürmen wir die Korkburg! Kunststoffpfropfen haben in den letzten Jahren nicht wirklich reüssiert. Die konservierende Schwefelung verabschiedet sich zu rasch, Aromaeinträge des alternativen Verschlusses und auch der Umgebung wurden reklamiert, gigantische organoleptische und chemische Unterschiede von Flasche zu Flasche. Und schön schaut’s auch nicht aus, wenn da ein gelbes Plastikteil aus der Flasche gezogen wird.

Wie viel feiner wirkt doch da gleich der Glasstöpsel – sofern Glas- und Stöpselfarbe identisch sind. An Langzeiterfahrung fehlt es zur Zeit noch. Skeptiker verweisen aber auf den Umstand, dass im gegebenen Fall natürlich nicht Glas auf Glas trifft. Ohne Plastikdichtung (natürlich mit viel, viel kleinerer Angriffsfläche als etwa beim Plastikstöpsel) geht beim Glas gar nichts.

Unsereiner – always on the safe side – will Produktsicherheit. Vor allem bei Weinen jenseits der 20 Euro. Und die geschmackssichere Zukunft dämmert metallisch herauf – in Alu oder Edelstahl. Wenn Dreher und Kronenkorken nur nicht so ein schlechtes/billiges Image hätten! Was für Bier- und Limoflaschen taugt, soll jetzt Mouton Rothschild, Grange, Sori Tildin, Kellerberg und Montrachet behüten? Aber ja doch! Jahrgangschampagner, eines der kostbarsten Produkte in dieser Weinwelt, reift oft jahrzehntelang im Kronenkorkenkerker. Bekanntlich wird in einem finalen Akt die Hefe abgerüttelt, schockgefroren und schließlich aus der Flasche entfernt. Herr Kronenkork, der brave Diener seiner Perlen, kommt zum Müll. Ihn ersetzt nun Seine Eminenz, die Fehlerquelle Naturkork. Nicht böse sein – aber blöder geht’s ja wirklich nicht!

Bekanntlich macht der Konsument den Markt. Ran ans Werk – schrauben und kapseln wir uns eine rosige Weinzukunft!

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