Brüssel zum Anbeißen
Im Jahr 2012 ist Brüssel zum Anbeißen - im wahrsten Sinn des Wortes. Das diesjährige Fein-
schmeckerjahr verspricht kulinarische Freuden und eine spannende Aus-
einandersetzung mit der vielfältigen Küche der EU-Hauptstadt. Dazu gehören u.a. die Klassiker "Moules & frites", Waffeln und Weinbergschnecken, aber auch Neuinterpretationen innovativer Küchenchefs, die unglaubliche Kreativität der vielen Chocolatiers und nicht zuletzt das "savoir vivre" der Brüsseler.
Neue, außergewöhnliche und innovative Events bilden zusammen mit der lebendigen Gastronomie "Brusselicious" - das Jahr der Gastronomie.
Mehr Infos zu dieser Veranstaltung finden Sie auf www.flandern.at.
Über zwei Drittel aller Weine werden in Deutschland bei Discountern oder im Supermarkt eingekauft. Discounter bieten beim Weinkauf keine Beratung, das muss aber nicht unbedingt ein Nachteil sein: Die kleinere Auswahl ist gerade für den Weinlaien übersichtlich und vereinfacht die Auswahl: Oft wird von einer Weinkategorie nur ein Wein angeboten. Da diese von großen Kellereien stammen, ist für eine gewisse Grundqualität gesorgt.
Die kleine Auswahl ist andererseits aber auch der große Nachteil eines Discounters, denn Weine leben von ihrer enormen Vielfalt: Jeder Jahrgang und jede Rebsorte schmecken anders, Herkunft und Qualitätsstufen beeinflussen den Geschmack. Im Preis allerdings sind Discounter naturgemäß unschlagbar.
Im Supermarkt ist das Angebot schon wesentlich breiter gefächert als bei Discountern. Neben dem Grundsortiment findet sich dort auch das eine oder andere Tröpfchen von gehobener und anspruchsvoller Qualität – natürlich auch zu etwas höheren Preisen. Nicht nur große Kellereien stellen das Sortiment, sondern auch Winzergenossenschaften und in Ausnahmefällen sogar einzelne größere Weingüter. Aber nur wenige können sich mit Weinen aus dem Fachgeschäft oder vom Winzer messen.
In Verbrauchermärkten der gehobenen Kategorie gibt es sogar vereinzelt Beratung am Regal. Vergeblich sucht man allerdings ältere Jahrgänge. Meistens sind Supermarktweine ohnehin zum raschen Konsum vorgesehen: Die Trinkreife ist beim Kauf absolut erreicht und muss nicht erst durch geeignete Lagerung verbessert werden. Größere Mengen im Keller zu lagern ist deshalb kaum sinnvoll.
Natürlich ist der Weineinkäufer eines Supermarkts daran interessiert, Weine anzubieten, deren Qualität in Ordnung ist und die den Kunden (bzw. einer möglichst großen Masse an Konsumenten) auch schmecken. Er wird die Strategie verfolgen, Weine von kontinuierlicher Qualität anzubieten, sodass der Käufer im Markt auch ohne Beratung den Wein mit dem gewohnten Geschmacksbild wiederfindet.
Neben der Qualität eines Weines spielt auch die generelle Nachfrage für bestimmte Weine in die Preisgestaltung hinein. Wenn ein Wein gerade besonders in Mode und trendig ist, wird er meist auch etwas teurer angeboten. So deutet der Preisverfall der Weine aus Kalifornien und Australien darauf hin, dass sie wohl etwas aus der Mode gekommen sind. Leider kommen in Supermärkten nur Weine von Weingütern mit Massenproduktion und sehr großen Jahresproduktionen in das Regal. Naturgemäß ein Qualitätsnachteil.
Wenn auch nicht für jedermann möglich – der Weinkauf in einem Fachgeschäft oder direkt beim Winzer ist wohl die beste Variante, um an ein gutes Tröpfchen für einen besonderen Anlass zu gelangen. Denn beim Winzer kann man vor dem Kauf die Weine verkosten und bekommt eine umfangreiche Beratung mit vielen zusätzlichen Hinweisen. Man lernt die Menschen hinter dem Wein und die Landschaft, aus der er stammt, kennen.
1. 2003, Chardonnay Cimarosa, Via Wine Group/Chile, Lidl, 3,99 €
lichtgold, im Duft nach Fruchtsaft, Drops, am Gaumen vorerst gefällig, rund, sortentypisch Sauvignon blanc (HS), dann aber drängt sich unangenehmer Apfelton plus Zuckerrest in den Vordergrund, brandig (RE). 19,5/40
2. 2005, Chardonnay, Wakley Cellars/Australia, Lidl, 2,99 €
helles Gold, in der Nase recht simple Holz- und Röstnoten, am Gaumen wiederum Oakchips und Gewürznelken, nach Punsch, süßsauer, weichgespült, aber immerhin sauber. 17,5/40
3. 2003, Franken Silvaner & Scheurebe, Winzergenossenschaft Nordheim eG, Neukauf/Edeka, 3,99 €
glänzendes Stroh, reintönige Nase (endlich ein Lichtblick), Leinöl (EG), nach Steinobst, Orangenzeste, Zapfsäule (CP), durchaus appetitlich auch am Gaumen, erinnert an Sylvaner. 14,5/40
4. 2005, Mosel-Saar-Ruwer/Riesling, Moselland EG Winzergenossenschaft, Real, 3,49 €
mittleres Gelb, neutral, Sanostol, auch am Gaumen Fruchtsaft, süße, breite Textur, aber wenigstens recht sauber. 13/40
5. 2004, Marlborough Sauvignon Blanc, National Liquor Distributors/New Zealand, Lidl, 4,99 €
sattes Stroh, überreduktiv, intensiv nach Rappen, grünem Paprika (Sauvignon blanc), Urinstein, im Mund nach alten Erbsen, Wok-Gemüse (RE), unangenehme chemische Note, süßlich im Finish. 11,75/40
6. 2005, Wein Galerie, Gebiets-Winzergenossenschaft Franken EG, Real, 2,99 €
reiches Gold, zersetzte Hefe im Duft, verbessert sich am Gaumen, Brennnessel (EG), trotzdem belang- und charakterlos, süßsauer im Abgang, sauer und bitter zugleich (MP). 8/40
7. 2005, Spätburgunder Blanc de Noir, Weinkellerei Peter Mertes GmbH & Co. KG, Lidl, 2,59 €
graues Rosé, leer im Duft, Gletscherzuckerl, sensationell wässrig am Gaumen, Brausepulver, mit unangenehmer Süße. 7,1/40
8. 2004, Baden Grauer Burgunder, C.A. Warren GmbH & Co. KG., Aldi, 2,29 €
sattes Stroh, ziemlich oxydativ, glatter Geschmack, Sherry (fino) lässt grüßen, kräftiges Bitterl und wenig Säure. 6,5/40.
8. 2005, Blanchet Grauer Burgunder, Neukauf/Edeka, 3,99 €
helles Grüngelb, ziemlich füllig im Duft, nach nasser Pappe, frisches Brot (HS), feuchter Waldboden (CP), einiges Volumen, Zuckerspitzerl im Abgang. 6,5/40
9. 2004, Pinot Grigio Friuli, Baldo-Marsciano-Italia, Aldi, 2,49 €
wässriges Graugelb, in der Nase angegammeltes, gekochtes Wurzelwerk, Hühnermist, im Mund dann mostig, ultra-schlank, kratzbürstig. 4,5/40
10. 2005, Bourgogne Chardonnay, Grands Vins Sélection, Aldi, 2,59 €
aufgehelltes Stroh, deutlich nach Gummi, Fahrradschlauch, am Gaumen zu Birnenmost mutierend, vegetabil (WM), kratzig, raubeinig. 4/40
10. 2005, Lamberti Santepietre Pinot Grigio, Neukauf/Edeka, 3,99 €
volles Graugelb, Lack und alter Honig in der Nase, erholt sich ein wenig am Gaumen, aber hohle, körperlose Stilistik. 4/40
11. 2005, Moselland Elbling,
Moselland EG Winzergenossenschaft, Neukauf/Edeka, 4,29 €
helles Graugelb, fehlerhaft, korkig, etwas Karamell am Gaumen, süßlich plump (SP), kratzig, nach alten Champignons, ordinär. 1,5/40
11. 2004, Weißer Burgunder, Deutsches Weintor EG, Real, 3,65 €
brillantes Grüngelb, aldehydig, verestert, präacetal (= ein Wimpernschlag vor der Essigwerdung), unglaublich grauenvoll am Gaumen, voller chemischer Noten, ungelüftetes Zimmer (WM), ganz schlimm (JS)! 1,5/40
11. 2004, Weißer Wolf, Winzergenossenschaft Wolfenweiler, Real, 3,69 €
helles Stroh, nach Straßenmarkierung, im Mund dann Acetat, aufgelöste Kopfwehtablette, weitmaschigst plus kräftiges Bitterl, böse (RE), vermutlich ein veritabler Nagellackentferner. 1,5/40