6 Männer - Im Heiligen Land

Zu Beginn muss Folgendes klargestellt werden: Unsere Mission stieß nicht sofort auf Zuspruch, Verständnis und neidvolle Blicke. Nach New York (Sommer 2009) und London (Herbst 2009) haben wir dieses Mal Israel auserkoren, um es einer kulinarischen Stippvisite zu unterziehen! Die Gründe, warum unsere Frauen und Freunde von der Reise in das Heilige Land abrieten? Erstens (die einen argumentierten mit glaubwürdiger, die anderen mit geheuchelter Furcht um unser Leben): „Habt ihr denn keine Angst, wegen der politischen Situation?“ Zweites (meist gekoppelt mit einem zynischen Lächeln): „Lassen die euch überhaupt einreisen, so unheilig, wie ihr seid?“ Und drittens: „Gibt es denn dort unten überhaupt was Anständiges zum Essen?“

Jede dieser Fragen spornte uns nur noch mehr an. Eingefahrene Bahnen wollen wir mit unseren GourmetReisen verlassen und Neues erkunden! Wir waren bereit für unseren ganz persönlichen, kulinarischen Kreuzzug durch Israel.

Tag 1:

Tel Aviv – 3 Restaurants, 20 Gänge, 3 clubs in 10 Stunden

Hungrig und voller Vorfreude baten wir unseren Fahrer Manes – ein erfahrener Ex-Kampfhubschrauberpilot, der sonst TV-Teams von CNN oder BBC sicher an jeden Ort Isreals bringt – unser Hotel links liegen zu lassen und uns vom Flughafen direkt zu einem kulinarischen Hotspot ans Meer zu chauffieren. Sein dicker 6-Zylinder-Chevy Van, für die nächsten drei Tage unser zweites Zuhause, parkte nach 30-minütiger Fahrt vor einer alten Fischhalle in Old Jaffa, einem der ältesten Stadtteile Tel Avivs. In dieser alten Fisch-Auktionshalle befindet sich „The Container“. Ein junges, trendiges Lokal, das stark an Tims „Bullerei“ in Hamburg erinnert.

Während wir zur Freude der jungen, sehr freundlichen Servicemitarbeiter die ganze Karte einmal auf und ab bestellten, genossen wir unter DJ-Klängen und Sonnenstrahlen die Aussicht auf die vielen kleinen Fischerboote, die direkt vor uns ankerten. Was aber dann geschah, damit rechneten wir beim besten Willen nicht. Alle servierten Gerichte waren handwerklich perfekt zubereitet und mit einer erfrischenden Einfachheit gekocht. Eine Hauptkomponente, eine Nebenkomponete, basta.

Aber nicht nur das Essen verschlug uns die Sprache. Die vorbeiflanierenden Menschen – vor allem die Frauen, alle wie aus einem Modelbewerb – ließen uns glauben, wieder in New York oder London zu sein; auf keinen Fall aber in Israel. Kein Hauch von züchtigen Religions-Vorschriften. Im Gegenteil: urbaner Lifestyle! Dabei war Freitag. Und Freitag bedeutet Sabbat. Was wiederum – wie wir gelesen hatten – mit „toter Hose“ zu vergleichen war.

Chauffeur Manes brachte uns weiter ins „Messa“. Wenn man davorsteht, käme man nie auf den Gedanken, dass sich hinter den schwarzen Scheiben das wohl stylishste und modernste Restaurant Tel Avivs befindet. Mehrere lange imposante Hochtische aus Marmor bilden die Zentrale des Restaurants, während man in den in Weiß gehaltenen Logen „privacy“ genießen kann. Nach einer Führung durch die Küche wurden wir von, Itzik Hammel, den Patron des Hauses in den Private Room gebten. Die Loungemusik passte wunderbar zu den innovativen und ausbalancierten Gerichten des Küchenchefs, wie „Getrüffelte Ravioli mit Limonenmousse und Oliven“ oder „Seafoodgnocchi in einer klaren Bouillabaisse“.

Das teuerste Fischrestaurant
Nächste Station: das „Mul Yam“, das direkt am Meer liegt und von unzähligen Clubs umgeben ist. Es soll das beste und teuerste Fischrestaurant Israls sein. Yoram Nitzan ist Besitzer und Küchenchef in Personalunion und – so hat man uns gesteckt – auch Eigentümer des „Sea Food Gourmet“, das alle Top-Restaurants des Landes mit Fisch beliefert. Böse Zunge behaupten, die besten Fische behält Yoram für sein eigenes Restaurant zurück. Uns sollte es recht sein. Er tischte uns sein „Best of“ auf wie zum Beispiel „Jakobsmuscheln, Shrimps und Scampi in Pilzconsommeé mit Ricottaschaum“. Wir staunten: absolute Frische, Top-Qualität, Zubereitung perfekt – die volle Geschmacksintensität.

Gut gesättigt von nun über 20 Gängen machten wir uns auf, Tel Aviv bei Nacht zu erkunden, und wurden in der Partymeile am Rothschild Boulevard fündig, wo sich ein Top-Club mit fantastischen DJs an den anderen reiht. Nun wussten wir, was die Menschen unter „Sabbat Fever in Tel Aviv“ verstanden.

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