Vietnam: Die Perle Asiens

reiseinfos

  • Flug ab 570 Euro
  • Reisepapiere Visum erforderlich!
  • Devisen 1 Euro = ca. 21.000 Dong
  • Gesundheit keine speziellen Impfungen erforderlich; Hepatitis A und B empfohlen
  • Zeitunterschied Zeitunterschied: ­­+ 5 Stunden (in der Sommerzeit)
  • Mietwagen Nur inklusive Chauffeur erlaubt.; ca. 20 Cent pro Kilometer (inklusive Chauffeur und Benzin)
  • Hotel ab 35 Euro
  • Budget-Hotel ab 8 Euro
  • 3-Gänge-Menü ab 7 Euro
  • Gerichte ab 1 Euro

Ban an co’m chu’a?“ – „Hast du heute schon gegessen?“, lautet die geläufige Begrüßungsfloskel in Vietnam. Die Antwort darauf impliziert auch die Antwort auf westliche Standardfragen nach dem Befinden. Wenn man schon gegessen hat, dann geht es einem folglich gut. In einem von Krieg, Dürre und Überschwemmungen geplagten Land wird Essen eine enorme Bedeutung beigemessen; es ist mehr als nur Nahrungsaufnahme – es ist ein kulturelles Ereignis, eine Weltanschauung, es ist Glück. Und wenn sensible Mägen sich beim Anblick von gegrillten Hunden, Kröten oder Fledermäusen und filetierten Kobras empört zusammenziehen, muss man sich dieses Hintergrundes bewusst sein. Phong grinst schelmisch, als er uns „Langnasen“ mit einem Stamperl Schlangenblut zuprostet. Hier zu sitzen mit dem blutroten Getränk in der Hand, umgeben von großen Glasballons gefüllt mit in Reisschnaps eingelegten Schlangen, fühlt sich unwirklich an. Die Fahrt nach Le Mat – ins Schlangendorf – war schon unwirklich genug. Der junge Fahrer versteht unser Anliegen nicht; auch nicht, nachdem wir ihm den Zettel geben, auf dem Ot, unser Reiseleiter, ihm zuvor speziell unser Anliegen inklusive Preis auf Vietnamesisch aufgeschrieben hat – er kann nicht lesen. Er fragt sich durch – bei Passanten und Taxifahrern – und schlussendlich halten wir in einer dunklen Gasse, steigen aus. Aus einem der Gebäude kommt uns sofort die Restaurantbesitzerin entgegen, bittet uns herein. Wieder zeigen wir den von Ot beschriebenen Zettel – dieses Mal die Rückseite, auf dem unser (fraglicher) Speisewunsch und der erwünschte Maximalpreis draufgekritzelt sind. 100.000 vietnamesische Dong – in etwa 5 Euro –, mehr zahlen wir nicht! Die Geschäftsfrau schüttelt den Kopf. Wir zeigen erneut den Zettel, mimen zu gehen – die Auswahl solcher Restaurants ist groß im Schlangendorf am Ostufer des Roten Flusses. Man einigt sich, tritt ein. Zwei Männer kommen hinzu. Mit der Zigarette in der Hand öffnet einer von ihnen den Schlangenkäfig.

essen shoppen schlafen

  • Hanoi: Das Sofitel Metropole ist der Klassiker in Hanoi. Definitiv ein 5-Sterne-Hotel für Anspruchsvolle; ab 215 Euro pro Nacht.
    www.sofitel-hanoi-vietnam.com.
  • Saigon: Windsor Plaza Hotel: Das Luxushotel eröffnete im November 2004. Highlight: Hauseigenes Einkaufszentrum; in der An Dong Plaza Shopping-Mall finden sich rund 1500 Geschäfte! Heißer Tipp für Plagiatsjäger!
  • Für Mutige: Cobra und Co gibt es im Schlangendorf „Le Mat“ bei Hanoi. Ein Tipp ist das „Trong Khach“. Hund ist teuer und wird ausschließlich in speziellen Restaurants angeboten. Auf der Speisekarte ist er als „thit cho“ zu finden – nur um nichts Falsches zu bestellen …
  • Für Aufgeschlossene: Garküchen gibt es an der jeder Straßenecke. Tipp: Man sollte immer da essen, wo viele Vietnamesen sind – selbst wenn das Restaurant schlicht aussieht. In Saigon zum Beispiel „Com Ba Ca“, 11 Ton That Thiep. In Hanoi „Cha Ca La Vong“, 14 Cha Ca.
    Einfach lecker: Pho, das ist eine heiße, kräftige Brühe aus Rind (pho bo) oder Huhn (pho ga) mit einer reichlichen Einlage Bandnudeln, Fleisch, Sojasprossen und frischen Kräutern.

Ich beginne meine Experimentierfreudigkeit zu hinterfragen. Er präsentiert uns die Kobra; in der anderen Hand immer noch die Zigarette. Die Kobra übersteigt den vorher ausgehandelten Preis; nur die „Hausschlange“ entspricht unserem Geldbörsel. Nun denn – die Frau nimmt ein Messer und schneidet die Schlagader durch; Schlangenblut rinnt in das darunter stehende Glas. Minuten später baumelt das Tier an einem Haken. Ein routinierter Griff zur Schere, die Haut löst sich. Die Dame führt uns ins Obergeschoss, vorbei an mystisch anmutenden Hausaltären. Und nun sitzen wir hier mit dem Stamperl in der Hand und einem mehrgängigen Schlangenmenü. Traditionell wird das Fleisch auf sieben verschiedene Arten zubereitet, u. a. als Filet, Hackfleisch, kurz gebraten oder als in Wasserspinat gewickeltes Röllchen. Kenner behaupten, das Fleisch erinnere an den Geschmack von Hühnchen. Meine Meinung: Tut es nicht. Aber der Kopf spielt einem hier übel mit. Wer kann nach diesem Anblick noch genussvoll schlemmen? Phong wartet immer noch. Ich proste zurück. Gänsehaut läuft meinen Rücken rauf und runter. Ich möchte nicht unhöflich sein, trinke. Es ist eine Mischung aus Blut und hochprozentigem Alkohol; der Schnapsgeschmack dominiert. Als besondere Delikatesse und äußerst belebend gilt es, das Herz – am besten noch zuckend – mitzutrinken. Erneute Schauer durchlaufen mich. Willkommen in Vietnam. Natürlich hat der jüngste aufstrebende Tigerstaat mittlerweile auch westliches Essen in allen Variationen zu bieten. So wie er auch sonst wenige (Touristen-)Wünsche offen lässt. Die Hauptstadt Hanoi ist das Tüpfelchen auf dem i von Vietnam; eine reife Schönheit, die Fremden nur die Lachfalten ihres 3000 Jahre alten Lebens präsentiert. Sie hat Stil und altert in Würde. Seen und Teiche spenden ihr Ruhe – zwischen dem lebhaften Treiben derer, die sie bewohnen. In einem Labyrinth aus 36 nach Zünften gegliederten Gässchen verirren sich jene, die ihre Seele finden wollen – denn die liegt dort verborgen. Sei es in der „Hang Dao“-Gasse, wo feinste Seide darauf wartet, auf Haut zu treffen, oder in der „Thuoc Bac“, der „Gasse der Kräutermedizin“, wo eine duftende Alternativapotheke sich an die nächste reiht. Ich lasse mich hinreißen, trete ein. Seit zwei Monaten plagt mich ein Husten, der einfach nicht lockerlassen will. Dr. Pham Xuan Thinh sitzt hinter seinem Holzpult.

Nach Begutachtung meiner Augen, meines Atems und Pulses – altüberlieferte vietnamesische Untersuchungsmethoden – diktiert er seinem (Zauber-)Lehrling eine nicht enden wollende Zutatenliste. Geduldig warte ich – bei 37 Grad im Schatten und einer 80%igen Luftfeuchtigkeit. Schweiß tropft von meiner Stirn. Schließlich kommt der Schützling zurück und überreicht mir einen zwei Kilo schweren Kräutersack mit rund einem halben Meter Durchmesser. Ob ich das alles (auf)brauche – bis an mein Lebensende? „10 Päckchen. Jeden Tag eine Packung“, ordert der Meister. Hmm. Alternativmedizin kann man halt nicht auf Pillengröße schrumpfen. Die Gruppe lacht tagelang über mein medizinisches Übergepäck. Die Vietnamesen lächeln. Nicht (nur) über meine Kräuter, sondern weil es ihre Art ist, Fremde willkommen zu heißen. Sie empfangen einen mit einer Wärme, die das Herz berührt, gehen auf einen zu, ohne dabei aufdringlich zu wirken, sind hilfsbereit und offen allem Neuen gegenüber. Und Vietnam tut es den Vietnamesen gleich. Die Landschaft zwischen Hanoi im Norden, Hue im Zentrum und Saigon im Süden lässt über ihre Vielfältigkeit nur staunen. Moderne steht neben Tradition – ohne anzuecken; alles geht Hand in Hand.

Zwischen saftig grünen Reisfeldern, bunten Götterwelten und atemberaubenden Naturwundern wie der Halong-Bucht blitzen jedoch alte Wunden auf, die wie wulstige Narben an schlimme Geschichte(n) erinnern. 40 Kilometer nordwestlich von Ho Chi Minh City – oder auch Saigon – befinden sich die Tunnelsysteme von Cu Chi; in Zeiten des Krieges eine Art Paralleluniversum unter der Erde – mit Schlaf- und Aufenthaltsräumen, Altären und Küchen mit verborgenem Dunstabzug, Schulen und Krankenstationen. Und über der Erde suchten die Amerikaner den Vietcong – der direkt unter ihnen saß. In etwa 250 Kilometer langen Stollen und Tunneln lebten rund 16.000 Partisanen. Die Besatzer waren ratlos. Heute werden Scharen von Touristen durch das Gelände geführt; vorbei an Türfallen, Drehfallen, Kipp- und Wippfallen. Die Munition war rar, der ­Ideenreichtum enorm. Zwei Tunnelabschnitte (einer 50 Meter, der andere 100 Meter lang) wurden „gedehnt“; dreimal sogar, damit auch Touristen durchpassen. So kommt es, dass heute auch der ehemalige amerikanische Feind durch die Tunnel schlurft, bewaffnet nur mit einer Spiegelreflexkamera. Von Verbitterung keine Spur mehr; so sind die Vietnamesen nun mal. Und obwohl der Krieg endete, bevor ich überhaupt geboren wurde, glaub ich mich an die Gräueltaten erinnern zu können, fühle mich betroffen. Auch wenn man in alldem touristisch aufgemöbelten Trubel, zwischen Souvenirläden und Schießbuden – „one shot, one dollar“ – etwas Phantasie und Ruhe braucht, um sich in damalige Zeiten, in denen über fünf Millionen Vietnamesen (und 58.000 GIs) ums Leben kamen, hineinversetzen zu können. Doch über die Spuren des Krieges ist auch 30 Jahre später nur wenig Gras gewachsen: 2007 sind immer noch rund eine Million Erwachsene und 150.000 Kinder von Krankheiten und Missbildungen betroffen, die auf großflächige Einsätze von Entlaubungsmitteln wie Agent Orange zurückzuführen sind.

währung & einreise
Geld: Die vietnamesisch Währung ist der Dong (VND). Es gibt Scheine im Wert von 100 bis 1.000.000 Dong: Bis 2004 gab es ausschließlich Banknoten, seitdem sind im Zuge der Automatisierung auch zunehmend Münzen im Umlauf. 1 € = ca. 21.000 Dong. Die meisten internationalen Kreditkarten (z. B. Visa-/Mastercard, American Express) werden in den größeren Hotels und in guten Restaurants akzeptiert. Außerdem gibt es in den großen Städten auch Geldautomaten, die herkömmliche Kredit- und Maestro-Karten akzeptieren. Auch US-Dollar werden gerne angenommen bzw. umgetauscht.
Vietnam ist eines der kostengünstigsten Reiseländer der Welt – zumindest für Individualreisende, die sich auch mit einfachen Hotels zufrieden geben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen und auch mal bei den Garküchen essen. Luxus ist mittlerweile genauso teuer wie in den Nachbarländern.

Die aufstrebende vietnamesische Jugend kann heute dennoch wenig mit dem Krieg von damals anfangen; er ist lange her, betrifft sie nicht mehr – wofür ihre Eltern und Großeltern gekämpft haben, gerät in Vergessenheit. Die Vorzeigemetropolen Hanoi und Saigon spiegeln diese Atmosphäre wider. Bunte Neon-Reklameschilder säumen die Ufer des Saigon-Flusses. Abends ein kitschig-schönes Lichtspiel. Schwimmende Restaurants warten gegen 19 und 20 Uhr auf zahlende Gäste, die beim Dinieren zwei Stunden auf und ab schippern können. „Möchten Sie heute Hund?“, fragt der Reiseleiter, während wir am Flussufer vorbeizischen – anspielend auf meine bereits bewiesene Offenheit gegenüber kulinarisch Ungewohntem. Der Gedanke, tatsächlich Hund zu essen, fühlt sich politisch inkorrekt an – obwohl ich tendenziell mehr „Katzenmensch“ bin …

Ich lehne dankend ab. Die vietnamesische Küche hat ohnehin mehr zu bieten. Fisch, Reis und Gemüse en masse; wahrscheinlich am besten in den Garküchen zubereitet. Charly – Mitreisender, motivierter Reisehandbuchleser und gesegnet mit einem ausgezeichneten Orientierungssinn – führt uns vorbei an der blau illuminierten Oper und den strahlenden alten und neuen Luxushotels der Stadt. Ein Huhn läuft unbeeindruckt am 42-Zoll-Plasmafernseher eines Elektrofachgeschäftes vorbei, Familien und Pärchen sitzen im Park. Motorroller, überall Motorroller, die die Straßen zu einem schier unüberwindbaren Hindernis machen. Populärstes Modell: Honda Dream, 100 Kubikmeter Hubraum und 100 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Man sitzt darauf zu zweit, zu dritt oder zu viert, mit oder ohne Mundschutz, mit oder ohne umgebundenen Kühlschrank oder Wohnzimmermobiliar, mit oder ohne lebende Schweine in Bastkörben. Die Dong Khoi, die „Straße der Volkserhebung“, ist das pochende Herz der Stadt, und das hört und sieht man. „Wir sind da“, Charly blickt stolz in die blau gekachelten Räumlichkeiten des „Com Ba Ca“. „Bo la lot“ sollen wir essen – das steht im Reiseführer und meint in würzige Blätter gehüllte, scharf angebratene Hackfleischröllchen. Nun denn: „One Bo la lot. Please.“ Kopfschütteln von der Frau hinter den zahlreichen gefüllten Essenstöpfen. Charly wirkt enttäuscht. Aber Alternativen gibt es genug, und man muss nur auf die Köstlichkeit zeigen, die man haben möchte, und bekommt sogleich eine reichlich gefüllte Schüssel davon ausgehändigt – Missverständnisse ausgeschlossen. Abgerechnet wird nach Schüsseln; eine randvolle Schüssel kostet ca. 7000 Dong – also rund 35 Cent. Eine Schüssel Tintenfische, eine Schüssel Wasserspinat, eine Schüssel würzige Gemüsesuppe, ein Teller (ist in der Abrechnung der „Schüssel“ gleichzusetzen) Fisch, ein großer Berg Reis und ein paar Fläschchen Bier stehen am Schluss auf den Aluminiumtischen. Und es schmeckt. Charly und sein Reiseführer hatten Recht.

reise & tipps

Bestes Reisewetter:

  • Grundsätzlich lässt sich Vietnam in drei Klimazonen einteilen: Norden, Mitte und Süden.
  • Nordvietnam: Die beste Reisezeit ist September bis November. Im Gebirge ist es im Winter kalt und im Frühjahr verregnet.
  • Mittelvietnam: Von Oktober bis Dezember ist Taifun-Saison mit heftigen, tagelangen Regenschauern. In der Gegend von Hue ist es im Juni und Juli am angenehmsten.
  • Südvietnam: Der tropische Süden ist heiß und schwül mit relativ geringen jahreszeitlichen Schwankungen. Die beste Reisezeit liegt zwischen Januar und April.

Anreise:

AUA bietet in Kooperation mit Star-Alliance-Partner Thai Airways täglich Flüge ab Wien nach Bangkok an. Von dort geht es mit Thai Airways oder Vietnam Airlines weiter nach Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon). Alle großen Veranstalter haben umfangreiche Vietnam-Angebote in ihren Katalogen. Meier‘s Weltreisen bietet zum Beispiel „Vietnam Classic“ an – eine neuntägige Bus- und Flugrundreise quer durch Vietnam; ab Hanoi mit Stationen in der Halong-Bucht, Hue, Danang, Hoi An und Saigon ab 1269 Euro pro Person.

Reiseliteratur:

Für Einsteiger:

Nelles Guide „Vietnam“, 2004, 255 Seiten, 12,90 Euro

Für Fortgeschrittene:

Reise Know-How „Vietnam“, 2006, satte 576 Seiten, 22,50 Euro.

Zum Schmökern:

MERIAN „Vietnam“, 2007, 130 Seiten, 7,50 Euro

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