Pierre Gagnaire liebt Jazz – und er liebt das Kochen. Kein Wunder also, dass seine Menü-kompositionen oft wie moderne Jazzpartituren wirken. Jakobsmuscheln werden hier mit Steckrüben kombiniert, koreanisches Kimchi mit französischem Küchen-Know-how neu interpretiert. Die Qualität der einzelnen Ingredienzien ist dabei durchaus bemerkenswert. Das Gesamtkunstwerk jedoch ließ selbst den anerkannten, deutschen Restaurantkritiker Jürgen Dollase staunen. Gagnaires konzentrierte Aromen, ließ er verlauten, seien selbst für ihn oft am Rande dessen, was er noch aushalten könne. Eine Küche, die polarisiert – und Fachleute begeistert. Vermehrt wurde Pierre Gagnaire mit drei Sternen ausgezeichnet, Gault Millau verlieh ihm 19 von 20 Punkten und der Berliner Sternekoch Christian Lohse zählt Gagnaires Pariser Restaurant „Pierre Gagnaire“ zu seinen Lieblingsrestaurants weltweit.
Ruhe gönnt sich der beinahe sechzigjährige Franzose indes kaum, so scheint es. Mit einer Kreativität und Lust am Experimentieren, die viele seiner jüngeren Kollegen weit in den Schatten stellt, leitet er sein Imperium. Sieben Restaurants auf der ganzen Welt vereint er unter sich. Nach seinen zwei Häusern in Paris und jeweils einem Restaurant in London, Tokio, Hongkong, Dubai und Seoul eröffnet er Dezember dieses Jahres sein achtes Restaurant im Hotel der Mandarin Oriental-Kette in Las Vegas.
Text: Nina Beutler; Fotos: 2007 Peter Lippmann, Pierre Gagnaire: Reinventing French Cuisine is published by Stewart, Tabori & Chang