Zuerst dachte Péter Gerendai an einen bösen Scherz. Es war der 16. März dieses Jahres. Ein Dienstag. Gerendai, der als Veranstalter eines der größten Jugendfestivals Europas in den letzten 18 Jahren einen Batzen Geld gemacht hatte, nahm in seinem Büro mitten in der Budapester Altstadt den Telefonhörer ab und ließ sich von einem Journalisten am anderen Ende der Leitung zur aktuellen Bewertung im international wichtigsten Gourmetführer gratulieren, dem „Guide Michelin“. „Ungarns erster Michelin-Stern“, jubelte der Journalist. Gerendai war ratlos, versprach zurückzurufen und legte erst einmal auf.
Erst 2008 hatte der Eventprofi gemeinsam mit fünf weiteren Eigentümern das Restaurant „Costes“ am Beginn der Budapester Gastromeile Ráday eröffnet. Mehr als zwei Millionen Euro nahmen die Investoren in die Hand, um Ungarn ein Gourmetrestaurant zu schenken, das man ebenso in Paris oder New York finden könne.
"Wir wollten von Anfang an keine Kompromisse eingehen, sondern uns nur der Qualität unterordnen.
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Und nun soll der Traum in Erfüllung gegangen sein? Nach nur zwei Jahren? „Wir wollten von Anfang an keine Kompromisse eingehen, sondern uns nur der Qualität unterordnen.“ Genau das predigte Gerendai auch der Horde an Journalisten, denen er an diesem denkwürdigen Dienstag noch unzählige Interviews geben sollte.
Kulinarische Revolution
Ungarns erstes Sterne-Restaurant! Welch Erfolg für ein Land, das über Jahrzehnte für seine üppige und rustikale Küche bekannt war. „Masse anstatt Qualität“, trichterte der Kommunismus den Menschen ein.
Und auch wenn sich das Gros der ungarischen Gastronomen von dieser Philosophie nur mit Widerwillen verabschieden will – es passiert! Die kulinarische Revolution ist zu schmecken. In den Tavernen Budapests, in den Restaurants, aber auch draußen auf dem Land. Und überall wird der neue Aufschwung mit einem Namen verknüpft: Tamás B. Molnár. Der ehemalige Jazz-Musiker und heutige Gourmet-Journalist und -Blogger hat Ungarn seinen kulinarischen Stempel aufgedrückt.
Das sagt auch József Horváth, dessen Restaurant „Ráspi“ in Fertörákos – nur wenige Kilometer von Österreichs Grenzübergang Klingenbach entfernt – zu jenen Häusern zählt, das sich ganz der Qualität und der kulinarischen Hochkultur verschrieben hat. „Tamás hat Grenzen aufgebrochen. Die Ungarn waren sich bis vor wenigen Jahren noch sicher, dass ihre Küche zu den besten der Welt zählt. Ein fataler Irrtum! Tamás konnte viele Gastronomen zum Umdenken bewegen.“
Fotos: Andreas Kolarik, Hungarian National Tourist Office, Shutterstock, Four Seasons Hotel Gresham Palace Budapest