Nina ist eine jener Frauen, die schwer einzuschätzen sind. Aber gerade das macht das Reisen mit ihr so spannend. Sie steht auf Museen, Kunst und Kultur. Sie saugt den Duft einer Stadt in sich auf und verfällt nachts dem Charme der dunklen Straßen und Gassen. Die versteckten Cafes, die kleinen Brasserien liebt sie. Die Völlereien in den Sternebunkern sind ihr zuwider.
Uns genügten ein paar Tage in Paris. Und wir hatten unsere Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Die Zeit wollte also gut genutzt sein. Und trotzdem blieben wir an diesem einen Samstagnachmittag im berühmten „Café de Flore“ hängen. Eben diese Dinge können passieren mit Nina. Komplette Planänderung. Vielleicht lag es am Champagner, vielleicht an den darauffolgenden Gläsern Rotwein. „Paris erlebst du an bestimmten Ecken am intensivsten“, sagte sie. „Du weißt nur vorher nicht, wo dich diese Ecken finden werden.“ Natürlich, das „Café de Flore“ hat seinen eigenen Flair. Schriftsteller Jean-Paul Sartre saß hier gemeinsam mit Simone de Beauvoir. Sie zählten zu den Stammgästen. Nachmittags blinzelt die Sonne gerade noch ein wenig durch die Scheiben und man kann herrlich die Gäste vis-a-vis in der Brasserie „Lipp“ beobachten. Hemingway soff dort und er schrieb dort. Die Geschichte klebt in Paris an den Mauern der Gassen, an den Prunkbauten der mächtigen Straßenzüge, und hochgehalten wird sie natürlich in den Restaurants. Die Kulinarik, das lassen sie einen hier spüren, ist der Stolz der Franzosen.
Noch am selben Abend saßen wir bei Pierre Gagnaire. Er hat sein Restaurant unten im Hotel „Balzac“, dem charmanten Luxushotel in der „Rue Balzac“. Das ist nur eine dieser geheimnisvollen Gassen, die der „Champs Élysées“ entspringen und dich in die verstecktesten Winkel der Stadt schwemmen. Nina interessierte sich weniger für das Essen als für Gagnaire selbst. Er liebt Jazz wie sie. Und so war es auch von Vorteil, dass wir die ersten Gäste an diesem Abend waren. Gagnaire nahm Platz an unserem Tisch.
Fotos: Hotel Pershinghall, Shutterstock, Hôtel Costes, JJW Hotels & Resorts, Taschen 2010, Kong Bar/Restaurant, George V Eatertainment SIREN 398.932.525 Buddha Bar, Restaurant Avenue, L´Arpege Allain Passard Philippe Vaures-Santamaria, Ritz, www.restaurants-joel-robuchon.com, Eric Laignel, Roberto Frankenberg, 2007 Peter Lippmann, Pierre Gagnaire: Reinventing French Cuisine is published by Stewart, Tabori & Chang, L‘Hotel Paris, Le Meurice/Maréchal/Hebeisen