Freundlich und friedfertig. Ein solcher Mensch bin ich an sich. Ich sage Bitte und Danke, grüße immer freundlich, halte Damen die Türen auf. Beim Umbau meiner Wohnung kochte ich sogar Cappuccino für die Bauarbeiter. Aber als ich kürzlich in New York vor einem zwei Meter großen Berg Fleisch stand, der zugleich Türsteher im „ACE Hotel“ war und mich nicht reinlassen wollte, konnte ich einen dezenten Schreianfall nicht unterdrücken. Es war so: Ich war zahlender Gast in dem (fantastischen) Hotel nahe dem Broadway. Wie es der Zufall will, hatte ich meine Zimmerschlüssel im Hotel gelassen. Nun ist das Hotel aber so angesagt, dass Mister Fleischberg nur Hotelgäste hineinlassen durfte und solche, die auf der Gästeliste standen. Versuchen Sie mal, einem amerikanischen Türsteher zu bezirzen, der mit Gästen wie Madonna und Co fertig wird. Ich denke, mein Gebrüll hat ihn köstlich amüsiert.
Ich zog erhobenen Hauptes ab, bog um die Ecke und köpfelte in die „John Dory Oyster“, um meine Kränkung mit Champagner hinunterzuspülen. Das Lokal, das vom Meatpack District weg zum Broadway gezogen war, entschuldigte einfach alles. Erstens, weil April Bloomfield in der Küche steht. Sie lebt seit sechs Jahren in NYC, kommt ursprünglich aus England, wo sie im „River Café“, „Kensington Place“ und „Bibendum“ lernte. Reservierungen gibt’s hier nur für Hotelgäste (schon wieder) ansonsten gilt “first come, first serve”. Zweitens, weil es Bloomfield war (die ich bei meinem letzten New York-Besuch in ihrem bekannten „Spotted Pig“, besuchte), die mir einen Schnelldurchlauf durch New Yorks neueste Restaurants gab.
„Bell, Book and Candle“ eröffnete vergangenen Dezember im West Village als New Yorks erstes Restaurant mit “aeroponischer“ Dachterrasse: Pflanzen und Gemüse werden im Luftraum ohne Erde angepflanzt – utopisch! Good news kommen auch aus Harlem, wo der bekannte Koch Marcus Samuelsson ein ehemaliges “Speakeasy” aus den 20ern in das „Red Rooster“ verwandelt hat – rustikal-amerikanisch. Wer in Harlem residiert, kann dort frühstücken, brunchen, dinieren und danach bei einem Cocktail Live-Musik hören. New Yorks riesige Italo-Gemeinde sorgt dafür, dass eine Vielfalt an authentischen italienischen Restaurants gut gedeiht. Nun kommen gleich drei Neue hinzu: Im „Vei Morini“ in Little Italy werden Spezialitäten aus Emilia Romagna aufgetischt, wie „Ragu Antica“ und „Cacciagione“. Bei „Ciano“ können Gäste an der hauseigenen Brotstation frische Focaccia, Ciabatta und Pizza bestellen. Showküche – das gefällt Amerikanern immer noch und immer mehr. Schauen Sie mal ins „EATALY“ im Flat Iron District, dann wissen Sie, was ich meine. Auch neu: Die „Trattoria Asellina“ im kürzlich eröffneten „Gansevoort Park Lane Hotel“. Abgerundet wird Bloomfields Übersicht von „La Petite Maison“ – aus Nizza kommend, eröffnete man soeben die erste NYC-Location. Prestigeträchtig ist auch die Besitzerin Nicole Rubi – der Ruf ihres „Pissaladières“ (Artischockensalat) eilt ihr voraus.
Bloomfields wichtigster Tipp kam am Schluss. Ich bräuchte nur durch ihr Lokal zu gehen, „The John Dory“ sei doch direkt mit der Lobby des „ACE Hotel“ verbunden. Was ich tat, und Mister Fleischberg von der Lobby aus zuwinkte.