Millionenzinsen für die (Um-)Welt

Herr H. ist ein schlauer Mann. Das muss er auch sein, ansonsten hätte der deutsche Industrielle nicht die eine oder andere Milliarde Euro auf dem Konto. Schlau ist Herr H. auch, weil er in den 70er- Jahren die Insel Fregaté Island auf den Seychellen für 99 Jahre pachtete – zu einer Zeit, in der die heutigen Seychellen-Urlauber wie Prinz William mit seiner Kate noch in die Windeln gemacht haben.

Herr H. fand mit Fregaté Island sein nachhaltiges Hobby. In den letzten 20 Jahren hat er eine ganze Armada von Mitarbeitern damit beschäftigt, den Urzustand der Insel wieder herzustellen. Der positive Nebeneffekt der Sache: Herr H. entwickelt auf der Privatinsel ein Luxushotel mit 17 Villen. Herr H. ist damit der Erfinder des nachhaltigen Tourismus auf den Seychellen. Heute ist Fregaté Island die Mutter aller Green Hotels.

Mittlerweile hat Herr H. viele Nachahmer gefunden. Wie diesen Südafrikaner, der seinen Namen nicht preisgibt: Er hat sein Geld im Granit-Tagebau verdient und sich damit Cousine Island auf den Seychellen gekauft. Auf der Insel stehen nur vier Villen für maximal zehn Gäste gleichzeitig. Der gesamte Gewinn dieses „touristischen Hobbys“ fließt in die Rettung seltener Vogelarten und in den Schildkröten-Schutz.

Da wäre dann auch noch Paul Jones. Hedgefonds-Manager. Er ist eine ausgewachsene Heuschrecke des Kapitalismus. Forbes schätzt sein Privatvermögen auf sechs Milliarden US-Dollar. Jones hat ein Hobby: Afrika. Er besitzt die privaten Grumeti Reserves in Tansania – ein 140 Hektar großes Safari-Ferienziel mit drei, nur für Privatgäste zugänglichen Lodges, in denen er ein striktes Jagdverbot verhängt hat. Jones investiert dort in Sachen Nachhaltigkeit Millionen. Er beschäftigt im Reservat über 700 Mitarbeiter, denen er einen monatlichen Lohn von 400 Dollar zahlt. Davon können die meisten Menschen in Tansania nur träumen. Er stellt medizinische Versorgung zur Verfügung. Die Bauern der Region produzieren für die Restaurants der Lodges. Dafür finanziert er Brunnen und Schulen für die Kinder.

Beispiele für reiche Menschen und deren eco-touristischen Einsatz gibt es einige: Das Hotel Sextantio in den Abruzzen. Ein Dorf, das Daniele Kilhgren als Albergo Diffuso wiederaufbaut. La Rösa in der Schweiz, eine alte Poststation als Rough Luxe Hotel des BASF-Erben Kurt Engelhorn. Ulusaba von Virgin-Gründer Richard Branson.

Kommen wir aber zu Fregaté Island zurück. Herr H. hat es in jahrelanger Arbeit mit mehreren Millionen Euro geschafft, alle Ratten, Hunde, Katzen, Kühe von der Insel zu bringen. Er hat die Zahl der Palmen massiv verringert, indigene Pflanzen wie der Banyan Tree hüllen die Insel wieder ein. Ein Hilfsprogramm für den vom Aussterben bedrohten Vogel Magpie Robin hat die Population wieder auf 87 Stück steigen lassen. Auch andere seltenste Vögel wie Blue Pigeon und Sunbird leben auf der Luxusinsel. Und noch die 2000 Aldabra-Riesenschildkröten, Tausendfüssler und eine Käferart, die es nur auf der Insel gibt. Obst und Gemüse wächst auf der eigenen Plantage. Jetzt überlegt Herr H., eine 10.000 Quadratmeter große Solaranlage auf die Insel zu bauen, um den Dieselgenerator verschrotten zu können. Schön zu sehen, wie Zinsen eines Milliardärs auch nachhaltig sein können.

Fotos: Frégate Island Private

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