St. Petersburg - Glanzlicht im hohen Norden

Die weißen Nächte von St. Petersburg. Jedes Jahr zu Beginn des Sommers das gleiche atemberaubende Schauspiel. Selbst um Mitternacht noch sieht man die Sonne über dem Horizont. Die Himmelskuppel spiegelt sich silberblau in den zahlreichen Kanälen der Stadt und ihr nordisches Licht verleiht den Straßenzügen dieses einzigartige, magische Glitzern. Man sollte sich im Juni, zum Höhepunkt der weißen Nächte, zum „Fest der purpurnen Segel“ an den Kaimauern der Newa rechtzeitig einen guten Platz sichern. Denn es wäre zu schade, die prachtvollen, sich blutrot vor einem tiefblauen Mitternachtshimmel blähenden Segel des Dreimasters zu versäumen, der zum Höhepunkt des Festes majestätisch auf der Newa dahingleitet. Die illuminierte Peter-und-Paul-Festung, die hochgezogene Palast- und die Dreifaltigkeitsbrücke, prachtvoll in Szene gesetzt von zahlreichen roten Lichtsäulen der Wassili-Insel auf der anderen Uferseite.

Und dann der Höhepunkt, wenn sich über dem roten Dreimaster ein halbstündiges Feuerwerk entzündet, den Weiße-Nacht-Himmel in Flammen setzt und die Russen und Russinnen sowie die zahlreichen Besucher auf den gut gefüllten Sommerterrassen die Champagnerkorken knallen lassen oder die Wodkagläser frisch gefüllt werden. Russische Trinksprüche können in solchen Nächten sehr kreativ sein: „Auf dass wir uns unter dem Tisch wiedersehen und dann auch wiedererkennen!“

Ich habe mich dazu entschlossen, eine Tour über die Dächer der Stadt mitzumachen, ein wirklicher Geheimtipp. Alyona und ihre Freunde laden zum Dächergang ein, der sich „Legenden St. Petersburgs“ nennt. Hoch oben auf einem Kupferdach erzählt Alyona von den Geheimnissen der sogenannten Kussbrücke oder von einem Dachdecker namens Pjotr Teluschkin, der nach der Renovierung eines Glockenturms vom Zaren als Belohnung eine Urkunde erhielt, die im erlaubte, in ganz Russland umsonst Wodka zu trinken. Als Teluschkin diese Urkunde verlor, stach man ihm ein Siegel des Zaren als Tattoo auf den Hals. Und diese Geschichte erklärt, warum Russen ihre Aufforderung, „Komm, lasst uns etwas trinken gehen“, heute mit einem Fingerzeig an ihren Hals begleiten. Auf Wunsch, so Alyona, könne ein Gang über die Dächer St. Petersburgs auch bei einem Candle-Light-Dinner enden. Ein Tisch samt Tischdecke, Kerzenleuchtern und Fünf-Gänge-Menü werden von ihrem Team auf ein Dach ihrer Wahl bereitgestellt. Dann heißt es zurücklehnen und genießen, dicht unter einem silbrig glänzenden Weiße-Nacht-Himmel.

Fotos: Shutterstock, W St. Petersburg, Grand Hotel Europe, Eugeny Belikov, Ginza Project, Rocco Forte Hotels, Dvorianskoe Gnezdo.

Den ganzen Artikel können Sie im Genießermagazin GourmetReise oder HIER mit Ihrem Member Login nachlesen. Wenn Sie noch kein GourmetReise Member sind, können Sie sich HIER anmelden.