Ich stehe noch voll im Saft

Grand Seigneur

Ja, Dieter Müller ist ein Ausnahmekoch. Seit der Vergabe der drei Michelin-Sterne 1997 hat er diese bis zu seinem Abdanken im Schloss Lerbach gehalten und ist zudem einer der charmantesten Köche des Kontinentes.

Mit Ihrem Restaurant Dieter Müller auf dem Luxuskreuzer MS Europa schippern Sie nun 70 Tage im Jahr durch die sieben Weltmeere. Wollten Sie denn immer schon Captain sein?
Dieter Müller: Glücklicherweise bin ich ja ausschließlich für den Kurs in meinem Restaurant verantwortlich, aber das Leben auf See ist schon etwas Besonderes. Da sind die Herausforderungen auch ganz anders als an Land. Die Küche ist kleiner und man muss hier mit noch mehr Fingerspitzengefühl enger und familiärer zusammenarbeiten. Aber ich sehe das Ganze als Glücksfall für beide Seiten: Ich kann die Welt sehen, meine Klassiker noch mal auf den Tisch bringen und meine persönliche Handschrift als Kochlegende bereichert das Angebot an Bord.

Apropos Klassiker: Wollten Sie nicht eigentlich in Ruhestand gehen?
Müller: Ich stehe noch voll im Saft und dass ich mich gänzlich vom Herd verabschiede, nur weil ich Lerbach verlassen habe, ist von den Medien ein wenig aufgebauscht worden. Das war aber nie mein Plan. Das Restaurant Dieter Müller auf der MS Europa ist das beste Restaurant, das ich jemals führen durfte.

Auch von der Küche her? Wie würden Sie sich denn selbst bewerten, wenn Sie dürften?
Müller: Ein Restaurant auf See und an Land ist nicht vergleichbar. Das liegt aber einzig und allein daran, dass Kräuter und gewisse Gemüsesorten an Bord nicht immer zu bekommen sind und daher auch gerne improvisiert werden muss. Von der handwerklichen Perfektion der Gerichte und was das Service anbelangt, können die Gäste keinen Unterschied zu meiner aktiven Zeit im Schloss Lerbach finden. Wo es allerdings einen Unterschied gibt, ist in der Umsetzung meiner Klassiker. Ich habe im letzten Jahr so viele neue Märkte gesehen und mich von den verschiedenen Küchen und Produkten der Welt inspirieren lassen. Das hat meine Gerichte modernisiert und meinen Kochstil dementsprechend erweitert. Wie bei meinem Cappuccino von Curry und Zitronengras. Den mache ich im Moment mit der Kafirlimette.

Gibt es denn dann bald einen Dieter Müller reloaded?
Müller: Meine Handschrift als Koch hat sich jahrelang entwickelt, also warum sollte ich jetzt stehen bleiben? Aber mich neu erfinden? Mein euroasiatischer Küchenstil mit italienischen und französischen Akzenten kommt gut an und dafür stehe ich. Ich koche noch immer puristisch, nicht zu viel auf dem Teller, dann lieber mal einen Gang mehr und nicht zu architektonisch. Ich gebe nur das raus, was auch mir selbst schmeckt. Das war schon immmer meine Philosophie.

Fotos: Hapag - Lloyd Kreuzfahrten

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