Irland: Lamm, Lachs und Whiskey

Die atemberaubende Kulisse der Landschaft an der Westküste der Grünen Insel macht die Erkundung des „Ring of Kerry“ zu einem echten Erlebnis. Mehrere Nationalparks laden zu Entdeckungsreisen zu Fuß ein, um die keltischen Zeugen geschichtsträchtiger Vergangenheit und irischer Tradition auf sich wirken zu lassen. 170 km lang ist diese faszinierende Panoramaküstenstraße im Südwesten Irlands, direkt am Atlantik gelegen. Dazu lockt das besondere Klima, welches wegen des Golfstroms subtropische Qualität besitzt. Palmen in den Vorgärten der kleinen Orte am Wege sollten daher nicht verwundern.
Natur und Kultur, eine Mischung, die schnell hungrig macht. Wer an die irische Küche denkt, dem kommt als erstes Irishstew in den Sinn. Lamm gehört einfach zur Grünen Insel dazu und erfährt auch in anderen einheimischen Gerichten große Würdigung. Aber kulinarisch hat Irland noch viel mehr zu bieten. Gerade hier im Südwesten kocht man mit dem, was das Meer zu bieten hat. Die Frische ist dabei das Entscheidende und so weiß der Gast nie, was sich abends auf der reichhaltigen Tageskarte befinden wird. Das macht unsere viertägige Reise auf dem kulinarischen Kreis aber gerade so spannend und abwechslungsreich.

Tag 1: Von Dublin ins Paradies: Gaby’s Seafood Restaurant, Killarney

Mitte September starten wir zu zweit unsere kleine Tour in die Grafschaft Kerry nach Killarney. Für alle Touristen dient diese Stadt als Ausgangspunkt zur Erkundung des „Ring of Kerry“. Nach einem ersten Spaziergang wird es Zeit, ins Restaurant mit dem besten Ruf für Fisch und Meeresfrüchte einzukehren. In Gaby’s Seafood Restaurant ist die Namensgeberin schon lange nicht mehr aktiv. Jetzt führen dieses stilecht mit viel Fischereizubehör und vor allem Auszeichnungen für die Kochkünste dekorierte Haus Marie und Geert Maes in einem unkonventionellen, aber durchaus gehobenen Ambiente. Schon früh wird deutlich, was Urlauber wie wir in den nächsten Tagen neben verschiedensten Fischgerichten erleben dürfen: Amerikaner! Lautstark und meist in größeren Gruppen durchziehen sie die Westküste des Landes. Glücklicherweise werden wir weit abseits von ihnen vor dem Eingang zum Weinkeller platziert, was den hauseigenen Sommelier zu einem fachlichen Plausch über deutsche Weine motiviert. Schon ein kurzer Blick auf die Karte genügt, um jedem von uns den Kerry Shellfish Platter für 49 Euro zu bestellen. Wenig später wird uns eine riesige Platte voller Schalentiere präsentiert, bei der mit einem halben Hummer, fünf Kaisergranaten, ebenso vielen Austern, unzähligen Muscheln und anderen köstlich anzuschauenden Meeresfrüchten wie Taschenkrebse oder diverse Krabbenscheren der reine Anblick schon ein Erlebnis ist. Alles frisch und dementsprechend wirklich köstlich und geschmacklich eher an der Küste Frankreichs zu erwarten als hier im letzten Zipfel Europas. Garniert ist das Ganze mit verschiedenen Antipasti, die immer wieder animieren, die eine oder andere Muschel doch noch zu verspeisen. Eine gute Stunde später ist auch das geschafft und die kalt servierte Platte gleicht einem Chaos aus gepultem Meeresgetier. Ein irischer Whiskey rundet den wunderbaren Einstieg unserer Reise ab.

Tag 2: Von Wasserfällen, Seen und Meer: von Killarney bis Waterville

Am nächsten Tag geht es in den vor Killarney liegenden Nationalpark, nicht zuletzt um mit etwas Bewegung die Sünden des vorangegangenen Abends abzutrainieren. Die frische Luft und das milde Klima bringen uns schnell ins Schwitzen. Es geht auf holprigen Waldwegen direkt an den Ufern des Lough Leane entlang bis hin zum sehr steilen Aufstieg zu den Torc Waterfalls. Diese donnern hier den Berg hinunter und bieten ein imposantes Fotomotiv. Einsamer wird es dann auf einem gut ausgeschilderten Wanderweg weiter hoch, wo wir die Aussicht auf die darunter liegenden Seen genießen. Gemütlich geht es nun runter zum Auto zurück, welches wir nach über drei Stunden Wanderung wieder erreichen.
Weiter führt die Fahrt zum viel gepriesenen Aussichtspunkt Ladie’s View. Hier oben ist es sehr touristisch, aber der Blick ist einzigartig. Kein Wunder, denn die Hofdamen Königin Victorias hielten hier schon im 19. Jahrhundert Hof und fungierten als Namensgeber. Der Ausblick motiviert uns, heute noch direkt bis ans Meer zu kommen. Deshalb verlassen wir die Berge und passieren auf dem Ring die lebendige und bunte Stadt Kenmare, weiter bis ins charmante und südländisch wirkende Sneem. Von hier geht es dann über die Küstenstraße mit herrlichen Ausblicken auf kleine Buchten und Berge bis nach Waterville, eingekeilt zwischen den Hügeln und dem Meer. Im Ort suchen wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit und finden ein kleines „Bed & Breakfast“ mit Blick auf das Meer. Unsere Gastgeberin, eine ältere irische Dame, schickt uns dann auf Nachfrage in das ortsansässige Fischrestaurant Sheiling. Hier wird der Gast von einer Familie generationsübergreifend in gemütlicher Atmosphäre begrüßt. Als Vorspeise für keine zehn Euro liegen mehr Austern auf dem Teller als auf der Karte standen und ein Crab-Salad, garniert mit einer Avocado erspart lästiges Pulen und ist mehr als reichlich. Die Tageskarte empfiehlt den Dorsch für 20 Euro, der wunderbar mundet. Die freundliche und unaufgeregte Atmos­phäre des spartanisch eingerichteten Restaurants passt zur kleinen Ortschaft. Ein abendlicher Strandspaziergang beschließt unseren ereignisreichen Tag. Morgen geht es hinaus auf die Felsinseln Skelligs vor der Küste Irlands

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