Malaysia: Modernes Paradies

Would you like a massage, sir? Die leise Stimme der jungen Dame mit dem bronzefarbenen Teint und den Mandelaugen holte mich sanft aus meinen Tagträumen zurück in jene Wirklichkeit, die doch so unwirklich schien. Und ob ich eine Massage wollte! Noch nie zuvor hatte ich solche Massagen erlebt! Und ich hatte schon viele Massagen erlebt. Doch an keinem Ort der Welt hatte man mir mit derartiger Fertigkeit und Hingabe vor Augen geführt, welche Wonnen man dem menschlichen Bewegungsapparat bereiten konnte. Ich liebe alle Arten von Massagen, ganz besonders aber liebe ich Fußreflexzonenmassagen. Und hier wurde ich jedes Mal von neuem überrascht, was man mit den für gewöhnlich in solides Schuhwerk gezwängten Fersen, Ballen, Sohlen und Zehen anstellen konnte. Es war wie im Paradies! Und das Paradies hatte einen Namen: „Tanjong Jara Resort“.

Wir – das waren meine bessere Hälfte, meine beiden Söhne im Alter von neun und dreizehn Jahren und ich. Ich hatte diese Maschine noch aus einem längst vergangenen Flug nach Australien in Erinnerung, musste jedoch mit einem gerüttelt Maß an Entsetzen feststellen, dass man mittlerweile wohl etliche zusätzliche Sitzreihen eingebaut hatte. Der leichte Anflug an Klaustrophobie und die Aussicht auf eine veritable Thrombose erinnerten mich daran, dass man an Bord die Möglichkeit hat, ein Upgrading zur Business Class vorzunehmen, sofern dort noch Plätze frei sind. Meine bezaubernde Gattin war leider nicht zu überreden, mit den Kindern meinem Beispiel zu folgen, zumal sie es vorzog, das derart Gesparte im Zuge unseres Urlaubes in textile Verlockungen zu investieren. Ich dagegen schuf mir mit diesem kleinen Kunstgriff ein mehr als würdiges Ambiente, um mich in aller Ruhe auf unser künftiges Gastland vorzubereiten.

Da war zu lesen, dass Malaysia aus einem auf der malaysischen Halbinsel gelegenen Westteil und einem auf der Insel Borneo gelegenen Ostteil bestehe, die durch das Südchinesische Meer getrennt und flächenmäßig gemeinsam etwa so groß wie Polen seien. Die seit dem Mittelalter bestehenden islamischen Sultanate seien zunächst unter portugiesische, dann holländische und schließlich britische Kolonialherrschaft gekommen, die sie erst im Jahre 1957 abschüttelten. Heute sei Malaysia ein Bundesstaat aus neun Sultanaten, deren Herrscher in einem Rotationsprinzip den König stellen. Die Bevölkerung sei zahlenmäßig mit jener der Benelux-Staaten vergleichbar und bestehe aus einer Vielzahl ethnischer Gruppen, vorwiegend Malaien, Chinesen und Indern. Die Amtssprache sei Malaiisch, im Geschäftsleben werde auch Englisch verwendet, das sich vom British English allerdings so stark unterscheide, dass man es gerne als „Manglish“ bezeichne.

So wie diese geballte Ladung an Allgemeinwissen meinen Geist nährte, stärkte ein von Christian Petz vom Palais Coburg in Wien kreiertes Menü zwischendurch meinen Körper. Meine Freude darüber hielt sich allerdings in Grenzen, und Meister Petz wäre wohl entsetzt gewesen, hätte er gesehen, was man da aus seinen genialen Ideen gemacht hatte. Einzig dem Käse dürfte die Höhenluft bekommen sein, und nur er war angetan, den etwas indignierten Gaumen wieder zu versöhnen. Die Zeit verging jedenfalls „wie im Fluge“, und eh ich mich versah, kündigte eine freundliche Stimme die Landung auf dem „Kuala Lumpur International Airport“ an. Was uns jetzt zu unserem Glück fehlte, waren nur noch ein einstündiger Inlandsflug in die Sultanatshauptstadt Kuala Terengganu und eine ebenfalls einstündige Autofahrt nach Dungun.

Ein Paradies im Regenwald. Weder der Verweis auf die vielen „Five Diamond Awards“ noch die blumigen Beschreibungen im Prospekt konnten mich auf das vorbereiten, was uns da erwartete. Der undurchdringliche Regenwald öffnet sich zu einer riesigen tropischen Parklandschaft, deren üppiges Grün zunächst in das Goldgelb des Sandstrandes und dann in das Tiefblau des Südchinesischen Meeres übergeht. Ein ca. 2 m langer Waran schlenderte gemächlich über die Auffahrt, während uns der Zeremonienmeister Cheng mit einem lauten Gong in „Tanjong Jara“, was Flussgabelung bedeutet, ankündigte. Und tatsächlich teilt sich hier ein Flüsschen vor seiner Mündung ins Meer, um ein winziges Eiland zu umfließen. Die schlauen Architekten wussten diese von Mutter Natur geschaffene Besonderheit zu nutzen und errichteten das Resort nicht nur rund um diesen augenfälligen Ort, sondern ließen die herrliche Landschaft in die 17 Hektar große Anlage einfließen, ohne dabei die prachtvolle Landschaft zu zerstören. Der Baustil der rund vier Dutzend größeren und kleineren Bungalows ist jenen hölzernen Palästen nachempfunden, in denen die malaysischen Sultane des 17. Jahrhunderts zu residieren pflegten. Die mit viel Liebe zum Detail gefertigten Bauwerke mit ihren kunstvoll geschwungenen Dächern machen aus dem „Tanjong Jara Resort“ ein homogenes Dorf, das sich auf harmonische Weise in die üppige Landschaft einfügt. Für körperliches Wohlbefinden und sportliche Betätigung stehen den Gästen neben den unterschiedlichsten Wassersportaktivitäten auch mehrere Pools und Tenniscourts, drei Golfplätze in der näheren Umgebung und das sagenhafte „Tanjong Club Spa“ zur Verfügung – mit einer Vielzahl an Wellness-Einrichtungen und dem bereits in aller Ausführlichkeit beschriebenen Angebot an Massagebehandlungen!

Ob seiner außergewöhnlichen Annehmlichkeiten erfreut sich das „Tanjong Jara Resort“ trotz erstaunlich moderater Preise auch außergewöhnlicher Gäste. Mir war bekannt, dass etwa Michael Schumacher dort erst kurz zuvor Erholung vom Formel-1-Zirkus gesucht hatte, und ich staunte nicht schlecht, als sich jene freundliche Dame, mit der ich ein kleines Schwätzchen hielt, als Präsidentin von eBay entpuppte. Landeinwärts gibt es außerhalb der Parklandschaft nur tropischen Regenwald, so weit das Auge reicht. Sehr wohl aber ist die wildromantische Umgebung ein beliebtes Ausflugsziel für passionierte Urwaldforscher, die gerne auch einmal einen Abstecher zum nahen Reservat für Meeresschildkröten machen. Gerade aber diese wie aus einem Bilderbuch stammende Vegetation sollte für den einzigen Wermutstropfen unseres Aufenthaltes sorgen: Es kam der Weihnachtsabend, und weder dem „Tanjong Jara Resort“ noch mir war es möglich, in den Tropen einen Weihnachtsbaum zu organisieren, wie wir – und wie vor allem unsere Kinder – ihn gewohnt waren: einen Christbaum aus einem alpinen Nadelgehölz! In meiner Verzweiflung ging ich sogar so weit, den einzigen Weihnachtsbaum in der Anlage – eine Art Fichte aus Kunststoff – in unser Zimmer zu entführen, um ihn nach heftiger Schelte meiner Gattin flugs wieder an sein angestammtes Plätzchen zurückzuschmuggeln. Also blieb meiner kleinen Familie nichts anderes übrig, als die Rolle des Christbaumes der Stehlampe in unserem Zimmer zu übertragen, die ich noch rasch mit zwei oder drei Kerzen dekoriert hatte. Der Silvesterabend war dagegen kein Problem – meine Familie freute sich über die amerikanisch inspirierte Feier samt Band, Countdown und Luftballonregen, und ich freute mich darüber, von mehr fremden Frauen als jemals zuvor geküsst worden zu sein …

Eine Oase für Genießer. Schlendert man ein Stück des 250 Kilometer langen und fast menschenleeren Strandes entlang, der sich wie ein endloses Samtband von Horizont zu Horizont zieht, nur gelegentlich unterbrochen durch schroffe Felsformationen, so trifft man ab und an auf ein kleines Fischerdorf, dessen Bewohner großteils die Netze an den sprichwörtlichen Nagel gehängt und gegen einen einträglicheren Job im „Tanjong Jara Resort“ eingetauscht haben. So verwundert es nicht, dass man auch außerhalb der Anlage auf fast überschwängliche Freundlichkeit stößt. Die Leute haben sich perfekt mit dem Tourismus arrangiert – und mit den Touristen …

Dies bot uns auch Gelegenheit, die regionale Küche zu verkosten, von deren Qualitäten wir uns bereits im Resort ein Bild machen konnten, wo vier Restaurants für das kulinarische Wohl der Gäste sorgen: Im „Di Atas Sungei“, dem „Restaurant über dem Fluss“, zaubert Küchenchefin Ann – man kennt die ein wenig an Whoopi Goldberg erinnernde Dame seltsamerweise nur unter diesem Namen – traditionelle malaysische Küche in höchster Vollendung auf den Tisch. Kuriosität am Rande: Hier gibt es keine Speisekarte, sondern Ann und ihr Team planen als „Walking Menu“ die Gerichte auf sehr unterhaltsame Weise gemeinsam mit den Gästen. Das „Nelayan“, was so viel wie „Fischer“ heißt, wartet dagegen – wie könnte es anders sein – mit köstlichen Fischspezialitäten auf. Die „Teratai Terrace“ und das „Tanjong Club Pool Deck“ bieten wiederum internationale Kleinigkeiten an, die aber bei weitem nicht so eindrucksvoll sind wie der traumhafte Ausblick von den beiden Lokalen aufs Meer.

Die Küche Malaysias ist durch Einflüsse aus Indien, China und Indonesien inspiriert. Aus dieser Mannigfaltigkeit entstand eine Vielzahl kulinarischer Kostbarkeiten. Neben Nudelgerichten und gebratenem Reis werden vor allem Currys in zahllosen Varianten angeboten, bei denen Fisch, Meeresfrüchte, Gemüse, Huhn oder Rind in dicker Kokosnussmilch mit aromatischen Gewürzen eingekocht werden. Limonengras und Tamarindenextrakt geben den Gerichten ebenso eine besondere Note wie Limonenblätter, Pandanus, Koriander oder Ingwer. Auch bei uns bekannt ist das von dort stammende Sambal, eine Paste aus gemahlenen Chilis und Zwiebeln. Darüber hinaus gibt es natürlich eine unglaubliche Vielfalt an Früchten mit einer in unseren Breiten völlig unbekannten Geschmacksintensität, die uns immer wieder von neuem in Staunen versetzte. Von der hervorragenden regionalen Küche konnten wir uns auch bei einem Besuch in der nahen Bezirksstadt Dungun machen, die etwa 10.000 Einwohner zählt. Ich hatte das Terrain schon im Vorfeld sondiert, indem ich Küchenchefin Ann um sieben Uhr morgens zum örtlichen Fischmarkt begleitet hatte, wo Köstlichkeiten aus dem Meer in einer unvorstellbaren Vielfalt und Farbenpracht angeboten werden. Dungun ist nicht gerade ein Shoppingparadies, aber der so genannte Night Market, den ich dann am Abend mit meiner Familie besuchte, sorgt mit seinem hektischen Treiben, seinen Marktständen und seinen winzigen Garküchen fast schon für kulinarischen Overkill. Das Kaleidoskop an Gerüchen und Aromen zwingt einen Feinschmecker geradezu, sich an der einen oder anderen Spezialität zu versuchen. Wie in den Fischerdörfern der Umgebung gilt auch hier: Wer weiße Tischtücher und Tafelsilber sucht, ist fehl am Platz! Was man bekommt, sind schlichte Gerichte, die aber mit zum Besten gehören, was ich jemals in meinem Leben gegessen habe! Nasi Dagang (roter Reis mit einer würzigen Sauce aus Thunfisch und pikantem Gemüse), Laksam (gekochter und mit Kokosmilch pürierter Fisch in einem Weizenmehlteig), Sata (scharf gewürzter und in Bananenblättern gegrillter Fisch) oder Keropok (mit Sago pürierter und frittierter Fisch mit einer Chili-Dipsauce). Auf besondere Begeisterung stieß in unserer Familie auch Roti Chanai, ein köstliches Mittelding aus Fladenbrot und Palatschinke (Pfannkuchen).

Ein Eldorado für Shopper. Die zwei Wochen vergingen wie im Fluge, und allmählich machte sich bei den Kindern eine innere Unruhe bemerkbar, die ich als McDonald‘sche Entzugserscheinung zu deuten verstand. Unsere Kleinen hatten sich ja die ganze Zeit über fast ausschließlich von Huhn und Reis ernährt, was ihnen beim Servicepersonal bald schon die Spitznamen „Mr. Chicken“ und „Mr. Rice“ eingetragen hatte. Auch bei meiner Gattin war eine wachsende Nervosität feststellbar, die ich wiederum als langsam, aber stetig steigendes Shoppingfieber zu diagnostizieren wusste. Wir hatten ja vereinbart, dass im Anschluss an die erholsamen Tage am Meer noch ein paar Tage dem fröhlichen Konsumrausch in der Hauptstadt gewidmet werden sollten. Hinzu kam, dass unser Hochzeitstag in jene Zeit fiel und ich meiner Frau in gröbster Fahrlässigkeit versprochen hatte, sie dürfe sich ihr Geschenk in Kuala Lumpur aussuchen. Ein fataler Fehler, wie sich noch herausstellen sollte …

Auch wenn uns – oder besser gesagt: manchen von uns – der Abschied vom Tanjong Jara schwer fiel, landeten wir nach der einstündigen Autofahrt und dem ebenso langen Flug wieder in „KL“, wie die Hauptstadt liebevoll von ihren Bewohnern genannt wird. Allmählich freute auch ich mich auf diese pulsierende Metropole, die erst 1857 gegründet wurde und heute so viele Einwohner wie Wien oder Hamburg hat – die Mehrheit davon Chinesen, gefolgt von Malaien und Indern. Vom „Kuala Lumpur International Airport“ genossen wir das Limousinenservice von „Ritz-Carlton“, mit welchen wir um ca. EUR 50,– und 45 Minuten später im „Ritz-Carlton Kuala Lumpur“ eincheckten. Als sich neben dem ohnehin sehr zuvorkommenden Personal ein distinguierter Herr als unser Butler vorstellte, um uns in ein Luxusapartment in der 14. Etage zu begleiten, wussten wir, dass wir hier richtig waren! Es dauerte nicht lange, bis unsere Kinder die Funktion des Butlers durchschauten und dies für ihre Zwecke schamlos auszunutzen verstanden – und ebenso rasch hatte meine Gattin herausgefunden, dass das „Ritz-Carlton Residence“ nicht nur mit dem „Ritz-Carlton Hotel“, sondern über Gänge auch mit der benachbarten „Star Hill Gallery“, einem der größten und elegantesten Einkaufszentren der Stadt, verbunden war, so dass es besonders leicht sein würde, die frisch erstandenen Konsumgüter nach Hause zu transportieren …

Essen.trinken.schlafen.schoppen

  • „TANJONG JARA RESORT“ – Dungun *****
    Traumhaft gelegenes Luxushotel auf der Ostseite Malaysias.
    EUR 175,– bis EUR 330,– pro Bungalow/Nacht (max. 4 Personen/Bungalow). www.tanjongjararesort.com
  • “RITZ-CARLTON“ – Kula Lumpur *****
    Luxushotel mit perfektem Service in absoluter Toplage. Eine Suite mit 2 Schlafzimmer für 4 Personen inkl. einzigartigem Ausblick ist bereits ab EUR 200,– pro Nacht buchbar. www.ritzcarlton.com
  • „CARCOSA“ – Kuala Lumpur *****
    Wer einmal im Bett von Queen Elizabeth schlafen möchte, kann um EUR 760,– die Grand deluxe Suite im „CARCOSA Seri Negara“ mieten. Wem eine Juniorsuite genügt, kann schon um EUR 260,– pro Nacht/Suite die Vorzüge des 16 ha großen Privatanwesens inkl. des einzigartigen Ausblicks auf die Sehnswürdigkeiten von Kuala Lumpur sowie die vorzügliche Küche von Küchenchef David Sosson geniessen. Ein absolutes Must ist jedoch der „Fünfuhrtee“ im „Carcosa“. www.carcosa.com.my
  • PETRONAS TWIN TOWERS & KLCC
    gehören mit ihren 452 m zu den höchsten Gebäuden der Welt. Im Erdgeschoss des Turms 2 werden jeden Tag ab 09.00 Uhr 1.200 kostenlose Tickets ausgegeben, mit welchen Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt die Skybridge im 41. Stock besuchen dürfen. Im angrenzenden KLCC („Kuala Lumpur City Center“) finden Sie im 6-stöckigen Shoppingcenter unzählige Top-Boutiquen, Restaurants sowie das KLCC-Aquarium, das „Petrosains Discovery Center“ sowie viele andere Attraktionen die zum Verweilen, Entdecken und Genießen einladen. www.klcc.com.my
  • „STARHILL GALLERY“
    Das einzigartige Luxusshoppingcenter mit über 15 Top-Restaurants ist auch einen Besuch wert, wenn Sie Ihre Kreditkarte nicht mit einer Abbuchung von Gucci, Rolex & Co strapazieren möchten, da allein schon die Architektur des 7-stöckigen Luxustempels sehenswert ist.www.starhillgallery.com
  • TIMES SQUARE
    Das 10-stöckige Shoppingcenter in Kuala Lumpur beherbert auch „Cosmo‘s World“, wo sich „große Kinder“ um EUR 6,– und Kinder um EUR 4,– den ganzen Tag in dem über 3 Stockwerke streckenden Themenpark mit 15 Attraktionen, inkl. der größten Indoor- Achterbahn der Welt austoben können. www.timessquarekl.com

Alle Angaben ohne Gewähr. Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an Ihr Reisebüro oder das malaysische Tourismusbüro in Frankfurt unter www.tourismmalaysia.de
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