Ferran Adrià (geboren am 14. Mai 1962 in Katalonien, Spanien) ist Küchenchef im besten Restaurant der Welt, im El Bulli – in der Nähe der Stadt Roses an der spanischen Costa Brava. Er ist so etwas wie der Vater der Molekularküche, obwohl er sagt: „Molekularküche? Das ist doch Quatsch. Die gibt es gar nicht, nur die Ferran-Küche.“
Mit 14 Jahren besuchte er das Institut Verge de la Mercè in Barcelona, um Verwaltung als Vorbereitung für das Studium der Betriebswirtschaft zu erlernen. 1980 verließ er die Schule, er träumte davon, Ferien auf der Insel Ibiza zu machen. Und so kam er mit der Gastronomie in Kontakt ¬– seinen Urlaub finanzierte er nämlich als Tellerwäscher in einer kleinen Hotelküche in Castelldefels. Nach ein paar Stationen in Spanien wurde Adrià im Alter von 22 Jahren, zusammen mit Christian Lutaud Chefkoch im El Bulli, schon damals ein Gourmetrestaurant. Eineinhalb Jahre macht er aber noch Lehren bei verschiedenen europäischen Spitzenrestaurants, danach wurde er – ohne regulären Ausbildungsabschluss – alleiniger Chefkoch.
Heute ist das El Bulli das begehrteste Lokal der Welt – pro Jahr bewerben sich rund eine Million Geschmacksjunkies bei einer Platzkapazität für nur 8.000 Gäste in einem Halbjahr. Auch von den jährlich 1500 Praktikums-Bewerbern werden nur wenige in die rund 40 Mann große Crew aufgenommen, darunter viele Sterneköche, die alle gratis arbeiten. Nur ein paar wenige Fixköche werden bezahlt. Adrià bietet im El Bulli keine klassischen Menüs an, seine „Menüs“ sind ausdifferenzierte, ausgefeilte, höchst komplizierte 25 bis 30 kleine Gänge. Und mit diesen wirft er alle bisher bekannten Geschmacksempfindungen über den Haufen. Er frittiert Kaninchenohren, serviert Kaviar aus sphärisierter Honigmelone und lässt Milch mit Hilfe einer Pfefferblüte im Gaumen quasi elektrisch explodieren. Es gibt Kreationen wie Austernjoghurt, Tomatensuppe mit virtueller Petersilie, Parmesaneis und Paella aus Cornflakes. Ständig werden neue Zutaten gesucht, über 700 Gewürze hortet er in seinem Labor in Barcelona. Pro Saison bleiben von 5000 Experimenten nur rund 500 Gerichte übrig, 25 bis 50 fließen schließlich in das Menü ein. Ein derartiger Aufwand für eine bloß sechsmonatige Saison. Und für ein Menü, das nur 175 Euro kostet! „Dabei könnte ich auch 1000 Euro verlangen, aber wir haben damit begonnen, für die Fischer zu kochen. Und auch heute noch soll das Essen leistbar bleiben“, meint Adrià.
1997 erhielt das El Bulli seinen dritten Michelinstern, 2003 ist Ferran Adrià erster Spanier auf dem Cover des New York Time Magazine, 2007 wurde das El Bulli erneut zum „Besten Restaurant der Welt“ gewählt.
Als Einstein seine Relativitätstheorie präsentierte, zerstörte er das Weltbild aller Physiker. Als Ferran Adrià für das elBulli seinen dritten Michelin-Stern erhielt, machte er dasselbe mit den Köchen.