Bernie Rieder ist ein Verrückter, sagen selbst seine Freunde. Er ist ausgeflippt, kann auch laut und cholerisch sein, aber eigentlich ist er ein Dauerschmähführer. Rieder ist schräg durch und durch, genauso wie seine Gerichte. Seine Beziehung zum Essen ist pure Liebe – er brennt förmlich vor Verlangen nach Überraschungen am laufenden Band. „Essen ist Genuss, Leidenschaft, Wärme – ein Orgasmus!“ Seine Rolle sieht er frei von Allüren: „Der Koch ist bloß ein Begleiter für die Produkte, vielleicht ist er auch ein Designer, auf gar keinen Fall ein Gott in Weiß und auch kein Retter. Jeder Arzt ist zehnmal wichtiger, er rettet Leben, ich lege es nur auf den Teller.“
Seit 2007 ist Das Turm im 22. Stock hoch über den Dächern Wiens sein Reich. Hier kann er seine rastlose Gier nach Qualität und Kreativität ausleben. Erdigkeit spürt man in dem in einer burgenländischen Landwirtschaft aufgewachsenem Energierbündel noch heute in seiner Küche – er konzentriert sich stets auf die Urprodukte. Rieders Basis ist geradlinig, dann fängt er an zu spielen und transformiert die Einzelelemente zu einem Gesamtkonzept, dass einem schwindlig wird. Das Handwerk holte er sich bei Reinhard Gerer in Wien, bei Kultkoch Marco Pierre White in London, Zweisternekoch Walter Eselböck in Schützen (Burgenland) und Roland Trettl im Salzburger Hangar-7. Mit 21 Jahren erkochte er in der Eselmühl in St. Margarethen im Burgenland bereits eine Haube, heute zieren ihn im Das Turm gleich zwei. So viel nur zur Vollständigkeit, denn er hasst Lebensläufe: „Wer mich nicht kennt, interessiert sich nicht für meinen Lebenslauf, und wer mich kennt, interessiert sich auch nicht dafür.“
Obwohl Bernie Rieder altersmäßig (33) aus der Wertung der „jungen wilden“ fallen müsste, ist er dennoch einer derjenigen, der die Kategorie noch immer am eindrucksvollsten repräsentiert.
Die Aussicht des Turm ist wahrlich atemberaubend. Wie der Titel verspricht, findet man im Turm ein Restaurant mit Weitblick, das auf sprichwörtlich höchstem Niveau kocht.